Feministische KI:Warum Künstliche Intelligenz eine Machtfrage ist
Veröffentlicht am February 19, 2026
Bild: © Helena Henkel
„Ich entwickle nicht „die eine“ feministische KI. Ich versuche, einen Ansatz zu entwickeln, der es möglich macht, alle KI-Systeme feministischer zu gestalten und zu nutzen.“
„Es geht also nicht um ein einzelnes „Wunderwerk der Technik“, sondern um eine grundlegende Veränderung der Denkweise, Gestaltung und Nutzung rund um KI.“
KI ist eine Machtfrage
„Macht ist in diesem System zentral. Wer hat die Macht, Meinungen zu prägen? Wer hat die Macht, große KI-Systeme zu trainieren? Wer hat Zugang zu vielen Daten? Wer hat die Macht darüber zu entscheiden, wie und wozu diese eingesetzt werden?“
Diese Fragen stehen im Kern ihrer Arbeit. Denn KI wird heute vor allem von Akteur:innen entwickelt, die bereits über erheblichen ökonomischen, politischen und technologischen Einfluss verfügen. Damit entscheiden sie nicht nur über technische Architektur, sondern auch über gesellschaftliche Wirkung.
Hinzu kommt die Dimension der Ressourcen und Abhängigkeit, die in der öffentlichen Debatte oft untergeht.
„Zum anderen verbrauchen diese Systeme riesige Mengen an Ressourcen, die zu einer Befeuerung der Klimakrise beitragen und wieder insbesondere vulnerable Gruppen negativ betreffen.“
Auch hier zeigt sich Macht: Wer profitiert wirtschaftlich von KI? Und wer trägt die ökologischen und sozialen Kosten? Am Ende ist eine Entwicklung hin zu feministischer KI nicht nur eine technische Frage, sondern vor allem eine darüber, Machtverhältnisse zu erkennen und bewusst einen neuen Weg einzuschlagen.
Wo Veränderung beginnt
„Sie entscheiden über den Zweck von KI, ob transparent mit Daten umgegangen wird, ob Diversität in den Prozess eingebunden wird und welche Prioritäten gesetzt werden. Wenn hier diese Verantwortung nicht getragen wird, dann werden wir auch keine wirklich feministischen KI-Systeme sehen.”
Solange KI vor allem zur Effizienzsteigerung bestehender Prozesse genutzt wird, bleiben auch bestehende Machtverhältnisse weitgehend unangetastet. Veränderung bedeutet aus Evas Perspektive deshalb, den Zweck von KI neu zu verhandeln: Künstliche Intelligenz soll dazu beitragen, Systeme gerechter zu gestalten statt Ungerechtigkeiten zu automatisieren. KI ist nie neutral gegenüber gesellschaftlichen Strukturen. Sie kann Muster verstärken, ausblenden oder bewusst korrigieren. Genau deshalb ist Managementverantwortung in der KI-Entwicklung immer auch eine Machtfrage.
Veränderungen entsteht auf mehreren Ebenen
Zum Beispiel wurde mit der feministAI Community eine Plattform geschaffen, um sich gegenseitig auszutauschen und zu ermutigen. Und gerade weil KI so stark von wenigen großen Akteur:innen geprägt wird, sind solche Netzwerke wichtig, um Perspektiven zu bündeln und Sichtbarkeit zu schaffen.
Ergänzend dazu begleitet enableYou Organisationen ganz konkret in Veränderungsprozessen und vor allem darin, Macht gerechter zu verteilen. Diese Arbeit bringt neue Denkansätze und neue Expertise in Unternehmen, die nachhaltige Verbesserungen brauchen.
„Wir sollten Barrieren für echten Austausch und Zusammenarbeit auf Augenhöhe abbauen. Und dazu gehört auch, dass wir unsere Mitarbeiter:innen für einen kompetenten und verantwortungsvollen Einsatz von KI schulen.“
Ein Beispiel für positive Veränderung ist der Hilfe-Chat "Maya" von myProtectify, der Betroffene von Gewalterfahrungen emotional unterstützt. So zeigt sich, wie Technologie gezielt dazu beitragen kann, Schutzräume zu schaffen und marginalisierte Gruppen zu stärken.
Veränderung entsteht so nicht nur durch strategische Weichenstellungen, sondern auch durch kontinuierliche Arbeit an Strukturen – innerhalb von Unternehmen, in Netzwerken und im Zusammenspiel mit Politik und Gesellschaft.
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