Coding Da Vinci Süd 2019 Kick-Off

Coding Da Vinci, was ist das eigentlich? Anna Levandovska nimmt euch einen Tag lang mit nach München zum Kultur-Hackathon "Coding da Vinci Süd 2019". Erlebt hautnah mit, wie sie Zug fährt, sich austauscht und Ideen sammelt.

Was ist Coding Da Vinci?

  • Coding Da Vinci vernetzt Menschen aus IT, Geisteswissenschaften und Design.
  • Es fand zum ersten Mal 2014 in Berlin statt.
  • In 6–10 Wochen entwickeln Gruppen Softwarenanwendungen aus gelieferten Datensets verschiedener Kultureinrichtungen.

Coding Da Vinci mit Anna

Es ist Samstag, der 06.04.2019, 7:00 Uhr. Eigentlich kein Grund schon aufzustehen…achja heute ist ja dieses Coding Da Vinci. Also raus aus den Federn und irgendwie wach werden. Nach einigen Minuten schleppe ich mich voll bepackt mit Laptop, Smartphone, Netzteil und Co. zum Hauptbahnhof, Richtung München. Der Zug wird immer voller und voller. Die Leute finden keinen Platz mehr zum Sitzen. Mir gegenüber sagt eine ältere Dame: „Die Züge waren mal sauberer.“ Dann das Ehepaar hinter mir: „Ihre Jacke hängt uns im Weg.“ Währenddessen mache ich mir Gedanken zu der Veranstaltung Coding Da Vinci. Warum habe ich nochmal Geld investiert, um zu dieser Veranstaltung zu fahren? Was habe ich davon, sechs Wochen an einem Projekt zu arbeiten und zwar in meiner Freizeit, nach der Arbeit? Ich fange an, aufzuzählen: Fahrtkosten, Internetnutzung, Strom, Zeit, Verpflegung. Normalerweise würde man soviel XY pro Stunde dafür erhalten. Diese Fragen werde ich tatsächlich mal den anderen Teilnehmer*innen in der Mittagspause stellen.

Nach etwa zwei Stunden Fahrtzeit komme ich am Hauptbahnhof München und nach nur vier Stationen mit der S-Bahn am Veranstaltungsort in der Stadtbibliothek am Gasteig an. Bei der Anmeldung hat sich eine lange Schlange gebildet, aber es geht relativ schnell voran. Ein interessantes Gespräch mit den Datengebern der Gemäldesammlung München verkürzt die Wartezeit zusätzlich. Dabei erfahre ich, dass es eventuell Fahrtkostenzuschuss geben wird. Sehr erfreulich…und dass es für den ganzen Tag Verpflegung mit Getränken und Essen geben wird!

Schließlich erhalte ich eine Mappe mit den wichtigsten Informationen und zwei Namensschildern, die als Teilnehmerkarte dienen soll. In der Bibliothek kann man seine Sachen im Schließfach abladen oder an der Garderobe abgeben und sich befreit ins Getümmel begeben.

Flüchtig sichte ich einige ehemalige Studienkolleg*innen. Misstrauisch von ihnen von der Seite beäugt, bahne ich mir meinen Weg. Im Erdgeschoss ist eine Bühne aufgebaut und die Menschen versammelten sich zur Begrüßung. Anton Biebl (zukünftiger Kulturreferent der Landeshauptstadt München ab 1. Juli 2019) hält eine Einführungsrede, gefolgt von Hortensia Völckers (Kulturstiftung des Bundes). Anschließend richtete das Gründerteam, Sybille Greisinger und Kathrin Zimmer, einige Worte an die Community.

Ohne Pause werden die Daten von 31 Institutionen vorgestellt. Jede hatte jeweils nur eine Minute Zeit, um die Teilnehmer*innen davon zu überzeugen, ein Projekt mit ihren Daten zu erarbeiten.

Unter den Datengeber*innen haben sich aus Nürnberg beteiligt:

  • Museum für Kommunikation Nürnberg: Per Postbeutel rund um die Welt

  • UB Erlangen-Nürnberg: Zoologische Sammlung
  • Deutsches Spielarchiv Nürnberg: Spear-Archiv

  • DB Museum: Kartenwerke der Eisenbahn

Als Zuhörer*in kommt man kaum hinterher, sich Notizen zu machen und verliert langsam den Überblick. Das Programm wird straff durchgezogen. Gleich geht es zu den verschiedenen Sessions, in denen die Datengeber*innen in zehn Minuten ihre Datensätze näher vorstellen. 14:00 Uhr – endlich ist Mittagspause und ich kann die Teilnehmer*innen fragen, was ihre Motivation ist, am Kultur-Hackathon mitzumachen. Dabei bekomme ich verschiedene Antworten:

  • Student*innen der Informatik, die ihr Wissen anwenden möchten und sich ausprobieren wollen

  • Wiederholungstäter*innen, die wissen wollen, wer dieses Jahr mitmacht und welche Datensätze zur Verfügung gestellt werden

  • Vernetzung!

  • Spaß haben und mit großartigen Leuten reden

  • Suche nach möglichen Arbeitgeber*innen und Kontakten

  • Teilnahme an der Veranstaltung ist Pflicht (Studenten aus Ingolstadt)

Nach der Pause werden Ideen für die Projekte gesammelt und die Teams gebildet. In Gruppen wird heftig diskutiert, wie die Datensätze genutzt werden sollen. Unentschlossene Teilnehmer*innen laufen zwischen den Gruppen hin und her. Es wird rumgefragt: Was ist euer Thema? Wen braucht ihr noch? Was kann ich beitragen usw.? So geht es einige Stunden bis 18:00 Uhr.

Ich geselle mich zum Team „Jesuitentafeln“ und wir grübeln zu Anfang über die Umsetzung eines Spieles nach … mehr sei nicht verraten. Es bleibt spannend: Welche Gruppen werden in den sechs Wochen zusammen bleiben und ihr Ziel realisieren? Welche Ergebnisse werden das Rennen machen?

Zur Preisverleihung am 18. Mai 2019 werden sich die Teilnehmer im KunstKulturQuartier in Nürnberg wiedersehen und ihre Projekte vorstellen.

Wer noch nachträglich mitmachen möchte, hat die Gelegenheit sich hier einzutragen. Vor allem Programmierer werden noch gesucht!

  • Die Gruppe „Memento Me-mori“ arbeitet mit dem Datensatz der UB Erlangen-Nürnberg „Zoologische Sammlung“ und braucht dringend einen Informatiker.

  • Der Datensatz vom NS- Dokumentationszentrum München „Ergebnisse der Reichstagswahlen von 1920–1933 in München“ wird bisher nicht benutzt. Vielleicht finden sich noch Leute, die etwas mit den Daten machen könnten. Dies wäre mir in einer Zeit, in der die Rechte Szene immer mehr an Zuspruch gewinnt, eine Herzensangelegenheit.