Mehr Gründer, mehr Kapital, mehr Sichtbarkeit: Die Zukunft der Startup-Szene in Nordbayern
Veröffentlicht am March 18, 2026
Die deutsche Startup-Szene wird häufig mit Berlin oder München verbunden. Doch auch andere Regionen entwickeln sich zunehmend zu relevanten Tech-Standorten. Nordbayern – insbesondere Nürnberg – ist ein Beispiel dafür.
Im Interview mit Benjamin Bauer, CEO des ZOLLHOF in Nürnberg, wird deutlich: Die Region verfügt über viele der Zutaten, die erfolgreiche Startup-Ökosysteme brauchen – starke Forschung, industrielle Partner, Kapital und eine aktive Community. Was oft noch fehlt, sind vor allem Vernetzung, Sichtbarkeit und der Mut zur Gründung.
Benjamin kennt beide Seiten der Szene: Er ist selbst Gründer und unterstützt heute Startups. Seiner Meinung nach sind die Voraussetzungen für erfolgreiche Tech-Startups in der Region längst vorhanden.
„Wir haben die Talente hier, die Technologien, die Universitäten, wir haben tolle Unternehmen, das Kapital ist auch hier, aber wir müssen diese Fäden zusammenbringen, damit etwas Gutes entstehen kann.“
Aus Benjamins Sicht sind genau diese Verbindungen der Schlüssel für ein starkes Startup-Ökosystem – nicht nur in Nürnberg, sondern auch national.
Ein starkes Ökosystem entsteht durch Vernetzung
Viele erfolgreiche Startup-Standorte entstehen nicht einfach zufällig. Häufig sind es einzelne Initiativen oder Organisationen, die anfangen, Menschen zusammenzubringen und so Schritt für Schritt ein Ökosystem aufbauen.
Genau hier setzt auch der ZOLLHOF an. Neben der konkreten Förderung von Startups geht es dort darum, gemeinsam neue Businesses auszuarbeiten und Akteure wie Gründer:innen, Investoren und Corporates miteinander zu vernetzen. Denn oft sind all diese Ressourcen zwar in einer Region vorhanden, arbeiten aber noch nicht konkret genug zusammen.
Im Interview beschreibt Benjamin sehr deutlich die Ausgangslage, die ihn letztlich auch dazu motiviert hat, mit dem Zollhof Startups in der Region gezielt zu unterstützen:
„Ich habe immer gesehen in der Region, dass es hier tolle Technologie Startups und Gründerinnen und Gründer gibt, aber ein bisschen hat dieses Ökosystem gefehlt. Man hat sich durch Zufall getroffen.“
Gleichzeitig hat sich in den vergangenen Jahren bereits viel bewegt. Gerade Organisationen wie der ZOLLHOF treiben diese Entwicklung gezielt voran. Aus solchen Netzwerken entstehen nicht nur neue Kontakte, sondern zunehmend auch konkrete Projekte – etwa regionale Investitionen in Startups oder Kooperationen zwischen jungen Unternehmen und etablierten Firmen. So entsteht ein Umfeld, in dem Startups die richtigen Partner finden, um erfolgreiche Unternehmen aufzubauen.
Herausforderungen der Startup-Szene
Trotz der positiven Entwicklung sieht Benjamin noch einige Herausforderungen – nicht nur für Nordbayern, sondern für die Startup-Szene in ganz Deutschland. Besonders wichtig sei es, mehr Menschen für das Gründen zu begeistern.
„Wir brauchen mehr Gründerinnen und Gründer. Wir müssen dafür begeistern.“
Unternehmertum müsse stärker in Schulen und Universitäten sichtbar werden, damit mehr Menschen diesen Weg überhaupt als Option wahrnehmen. Gleichzeitig brauche es auch ein realistisches Bild davon, was es bedeutet, ein Startup aufzubauen.
Neben Talenten spielt auch Kapital eine wichtige Rolle. Gerade in Regionen mit starkem Mittelstand sieht Benjamin großes Potenzial, mehr Investitionen in Startups zu bringen.
„Da schlummert Kapital und viele davon kommen auf uns zu und sagen, wir möchten investieren, wir wissen nur nicht wie.“
Wenn es gelingt, mehr Investitionen aus der Region für Startups zu mobilisieren, wird das die Entwicklung der Szene stark beschleunigen.
Tech-Trends und Zukunft der Startup-Szene
Neben strukturellen Herausforderungen entstehen aktuell auch zahlreiche neue Technologiefelder, in denen Startups wachsen können. Besonders großes Potenzial sieht Benjamin beispielsweise in Bereichen wie Energie, künstliche Intelligenz, Robotics oder Healthcare.
Nürnberg profitiert unter anderem auch durch starke internationale Forschungseinrichtungen, Universitäten und Hochschulen. Diese Einrichtungen bringen regelmäßig Innovationen und neue Ideen hervor. Entscheidend sei jedoch, dass daraus auch häufiger Startups und dann langfristig erfolgreiche Unternehmen entstehen.
Wenn es gelingt, die vorhandenen Stärken weiter zu vernetzen und neue Impulse aus der Tech-Community aufzunehmen, wird sich Nürnberg langfristig noch stärker als Startup-Standort etablieren.
„Ich sehe ein Nordbayern in fünf Jahren, wo wir die Anzahl der Gründungen mindestens verdoppelt haben!“
Benjamin Bauer kennt die Startup-Szene aus unterschiedlichen Perspektiven: als Gründer und heute als CEO und Co-Founder des ZOLLHOF Tech Incubator. Mit dieser Erfahrung setzt er sich dafür ein, Gründer:innen, Unternehmen, Forschung und Investoren stärker zu vernetzen und die Startup-Szene in der Region weiterzuentwickeln. Auch Formate wie das Nürnberg Digital Festival tragen dazu bei, dass sich die Tech-Community austauscht und neue Impulse für Startups in Bayern entstehen.
Alina Laßen
Werkstudentin Marketing & Projektmanagement
NUEDIGITAL
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