Ein Rückblick auf das Nürnberg Digital Festival 2026
Veröffentlicht am July 17, 2026
Elf Tage lang bebte die Tech-Community der Metropolregion Nürnberg. Aus einem „Schön, dich kennenzulernen" wurde ein „Bist du später auch bei Event XY?". Aus einem „Noch nie gehört" wurde ein „Das ist mein Standpunkt zu digitaler Souveränität". Aus einem „Nürnberg liegt in Sachen Tech hinten" wurde, wie sich zeigen sollte, etwas ganz anderes. Selbst Tram-Fugenmasse außer Kontrolle und der heißeste Tag des Jahres konnten daran nichts ändern. Mit etwas Abstand blicken wir zurück auf NUEDIGITAL 2026: auf Zahlen, auf Zitate aus der Community und auf ein paar Geschichten aus dem Festival-Kosmos.
„Recode the Future" – das Motto, das hängen blieb
Die Zukunft ist nicht in Stein gemeißelt. Wir können sie gemeinsam ändern, ohne Bestehendes über Bord zu werfen, sondern indem wir sinnvoll darauf aufbauen. Das war das Leitmotiv bei NUEDIGITAL 2026, und viele Veranstalter:innen haben es sich zu eigen gemacht: Recode Jobstories, Recode the Leadership of the Future, recode Steuern, um nur einige Eventtitel zu nennen.
Beim Thema Künstliche Intelligenz kam das Motto besonders zum Tragen.
Teilnehmerin Ronja Lena Dörr brachte es auf den Punkt: „Recode the future eben. Weil wir neben aller KI unseren Platz neu definieren müssen, mit ihr und ohne sie. Die Ressource Mensch ist keine, an der man sparen sollte." (LinkedIn-Post)
Speaker Markus Gräßler formulierte die gleiche Haltung: Die Aufgabe sei nicht, alles wegzuwerfen, sondern zu verstehen, was schon da ist, und es besser umzubauen. (LinkedIn-Post)
Der Auftakt – ein farbenblinder Cyborg und 750 Gäste in der Meistersingerhalle
Über 750 Menschen strömten am Montagabend in die Meistersingerhalle zum Auftakt von NUEDIGITAL 2026, vorbereitet von mehr als 20 Volunteers und dem Festival-Team. Am außergewöhnlichsten war Neil Harbisson: farbenblind geboren, seit 2004 mit implantierter Antenne, der erste weltweit anerkannte Cyborg. Er erzählte von der Operation, seinem Cyborg-Alltag und übersetzte live die Haarfarbe von Gästen in Töne.
t-online-Reporterin Meike Kreil nannte den Auftritt „skurril, aber faszinierend". Gast Jennifer Düngfelder: „Was soll ich sagen, nun weiß ich, wie meine Haare klingen." (LinkedIn-Post)
Ecosia-Gründer Christian Kroll zeigte, wie sich Impact im eigenen Unternehmen leben lässt und sorgt dafür, dass viele im Anschluss ihren Standardbrowser wechseln. ZOLLHOF-Start-up-Lead Judit Klein sorgte mit einer Zahl für ein kurzes Raunen im Saal: Nürnberg zählt mehr Start-up-Gründungen als Berlin. Kaum zu glauben, oder?
Anschließend ging es zum Networking im Außenbereich der kleinen Meistersingerhalle weiter. Dort wurden coole Fotos geknipst, Pläne für die kommenden Tage geschmiedet, Erfrischungen geholt und an Ständen von Partnern, u.a. einem Roboter die Hand geschüttelt.
Anschließend ging es zum Networking im Außenbereich der kleinen Meistersingerhalle weiter. Dort wurden coole Fotos geknipst, Pläne für die kommenden Tage geschmiedet, Erfrischungen geholt und an Ständen von Partnern, u.a. einem Roboter die Hand geschüttelt.
Konrad Sörgel fasste den Abend so zusammen: „Sonnenschein, positive Energie, die Nürnberger Digital-Community in Feierlaune." (LinkedIn-Post)
Elf Tage Festival-Power – von Roboter-Vorführungen bis Pecha Kucha
Nach dem Auftakt ging es Schlag auf Schlag: 750 Speaker, 220 Events in elf Tagen, über 18.000 Teilnehmende insgesamt, die im Schnitt drei bis vier Events besuchten, verteilt auf zehn Themen-Tracks. Über 95 Prozent der Events waren kostenlos zugänglich.
Dabei war es die heißeste Woche des Jahres. Die Veranstalter:innen hielten dagegen: kühle Getränke, klimatisierte Räume, im Zweifel Wassereis, und in der Goodie Bag warteten sogar Mini-Ventilatoren. Und für alle, denen die Hitze zu sehr zusetzte, gab es zahlreiche Online-Formate.
Inhaltlich blieb Künstliche Intelligenz das meistdiskutierte Thema und zog sich durch viele Programmpunkte. Was passiert, wenn eine KI genau das übernimmt, worauf man in der eigenen Arbeit am stolzesten ist?, zum Beispiel diese Frage aus dem AI Camp, ein 1-Tages-Event im Z-Bau, blieb hängen.
Die Formatvielfalt zeigt, wie breit die Tech-Community der Region aufgestellt ist:
- Workshops, Vorträge, Panel-Diskussionen
- Roboter-Demos und Drohnen zum Selberfliegen
- Diskussionsrunden und Pecha Kucha
- Stammtische, Co-Working und Networking
- Hackathons und Escape Rooms
- Künstlerische, musikalische, religiöse und soziale Diskussionen
- Interaktive Ausstellungen zum Mitmachen
- Krisenmanagement- und Real-Life-Szenarien
- Frage-Antwort-Formate und Programmpunkte für Jung und Alt
Der Bayerische Digitalgipfel und ein Sonderpreis, mit dem niemand gerechnet hatte
Dass der Bayerische Digitalgipfel 2026 erstmals im Rahmen des NUEDIGITAL stattfinden würde, war bekannt. Mehr als 500 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Politik diskutierten im Germanischen Nationalmuseum über Künstliche Intelligenz und digitale Wettbewerbsfähigkeit.
Was nicht bekannt war: Die NUEDIGITAL-Gründer Ingo Di Bella und Florian Bailey sowie Festivalleiter Manuel Siegel erhielten dort den Sonderpreis des Bayerischen Digitalministers: B.DiGiTAL-Digitalpreis, überreicht von Dr. Fabian Mehring persönlich. Die Laudatio ging so unter die Haut, dass sich alle erst sammeln mussten.
„Das ist eine gelebte digitale Zukunftsmission für eine ganze Region", nannte Mehring das Festival.
Wir nehmen den Preis dankend an, verstehen ihn aber als Auszeichnung für die gesamte Community. Florian Bailey: „Diese Auszeichnung gehört der ganzen Community. Ohne die vielen Menschen, die jedes Jahr Räume öffnen, Wissen teilen und Energie hineingeben, gäbe es dieses Festival nicht."
Die Community lebt – Ingo, Tantek Çelik und ein Selfie nach zehn Jahren
Eine Geschichte steht stellvertretend für das, was bei NUEDIGITAL zählt: die Verbindungen, die entstehen, die Gespräche, die sich daraus ergeben, und alles, was am Ende daraus werden kann.
Tantek Çelik, Miterfinder des Barcamp-Formats, Gründer des IndieWeb und microformats.org sowie Web Standards Lead bei Mozilla, gehört zu den Menschen, ohne die viele Formate, wie das NUEDIGITAL so nicht existieren würden. (Ein Barcamp ist ein Konferenzformat ohne vorgegebene Inhalte, die Teilnehmenden gestalten die Agenda selbst.)
Ingo Di Bella, Geschäftsführer des Nürnberg Digital Festivals, hatte Tantek Çelik, bereits zehn Jahre zuvor getroffen. Beim Coffee Club 2026 stand er plötzlich wieder vor ihm, bzw. neben Joshi Kuphal, Gründer von Tollwerk (danke Joshi fürs Connecten!) eingereist aus San Francisco. Selbst Ingo wurde zum Fan und machte ein Selfie, genau wie zehn Jahre zuvor.
Solche Momente passieren NUEDIGITAL ständig, nur meist ohne Kamera: ein Gespräch, das zur Kooperation wird, ein Kontakt, aus dem ein Jobangebot entsteht. Am 2. Juli ließ die Closing-Veranstaltung im Biergarten der Kofferfabrik in Fürth die Community ein letztes Mal zusammenkommen und wurde zum gebührenden Abschluss.
“Die Closing war dieses Jahr echt mega! Wirklich nen toller Rahmen. Hier war die *echte* Community zu Hause.”- Julian Fleischmann (mit Erlaubnis aus der Umfrage)
Fazit & Ausblick
220 Events, über 18.000 Teilnehmende, zehn Themen-Tracks und ein Sonderpreis aus München: Das NUEDIGITAL 2026 hat gezeigt, dass „Recode the Future" mehr war als ein Slogan. Was bleibt, sind die Verbindungen, die daraus entstanden sind, und die vielen Formen, in denen Festival-Erlebnis überhaupt stattfinden kann.
Team Gelb sammelt gerade die Umfrage-Ergebnisse ein und startet damit voll in die Planung für 2027. Noch nicht teilgenommen? Jetzt die Umfrage ausfüllen und mit etwas Glück einen von zwei 50-Euro-Gutscheinen gewinnen: Jetzt mitmachen!
Svenja Sorger
Marketing, Projektorganisation
Nürnberg Digital Festival
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