30 Jahre IHK-Gründerpreis Mittelfranken

Veröffentlicht am November 04, 2026

30 Jahre IHK-Gründerpreis Mittelfranken
Seit 1996 zeichnet die IHK Nürnberg für Mittelfranken junge Unternehmen mit dem IHK-Gründerpreis Mittelfranken aus, 2026 zum 30. Mal. In dieser Zeit haben sich laut IHK 1.110 Unternehmen beworben, die innerhalb der ersten Jahre nach ihrer Gründung über 15.000 Arbeitsplätze schufen. Was verraten drei Jahrzehnte Gründerpreis über die Region? Darüber haben wir mit Alexander Fortunato gesprochen. Er betreut den Preis, kennt die Jurysitzungen von innen und hat eine klare Botschaft an alle, die mit dem Gründen liebeäugeln: Schaut nicht nur auf die eigene Idee, sondern auch auf die Unternehmen, die es schon gibt.

Markterfolg statt Pitch Deck: So tickt die Jury

„Wir zeichnen keine Idee auf dem Papier aus. Bei uns muss schon ein gewisser Markterfolg da sein“, sagt Alexander Fortunato. 
Genau das unterscheidet den Preis von Businessplan-Wettbewerben. Bewerben kann sich, wer seinen Sitz in Mittelfranken hat, IHK-Mitglied ist und höchstens fünf Jahre am Markt ist. Berücksichtigt werden unter anderem Umsatz, Gewinnentwicklung, Mitarbeitende und Ausbildungsplätze, dazu der Innovationsgrad. Jedes der 15 Jurymitglieder bewertet die rund 50 Bewerbungen pro Jahr vorab für sich nach einem ABC-Schema. 
Das Ergebnis ist eindeutig: „Die Hälfte fliegt meistens relativ schnell raus, weil sie noch zu jung ist und zu wenig Erfolg hat.“ 
Spannend wird es bei den B-Kandidaten, denn das B der einen ist manchmal das A des anderen. Jurymitglieder kennen einzelne Bewerber bereits aus ihrer Tätigkeit und bringen dieses Wissen in die Diskussion ein. Entschieden wird aber gemeinsam in der rund zweistündigen Jurysitzung. Vor der Verleihung besucht das Gründungsteam der IHK alle drei Gewinner, gemeinsam mit dem jeweiligen Unternehmenspaten, der später die Laudatio hält. 

Radar, 3D-Druck, KI-Studio: Wie stark Mittelfranken technologisch ist

„Wir haben hier echt was vorzuweisen, mit den Gründerzentren, mit diesem Netzwerk und mit den Gründungen, die es hier gibt“, sagt Alexander. Auch neben München sieht er die Region sehr gut aufgestellt: „Wir müssen uns da nicht verstecken.“ 
Die Preisträger 2026 liefern den Beleg gleich im Dreierpack: FiveD aus Erlangen (rund 30 Mitarbeitende) simuliert Radarsysteme komplett virtuell, etwa Körperscanner am Flughafen, bevor es ein physisches Gerät gibt. Kronos Mechatronics aus Nürnberg (12 Mitarbeitende) entwickelt Maschinen, Software und Prozesse für den 3D-Druck von Elektronik und mechatronischen Bauteilen. Und Nerdware (rund 55 Mitarbeitende in Nürnberg und Berlin) digitalisiert als Software- und KI-Studio Geschäftsprozesse im Mittelstand. Zufall ist diese Mischung nicht. Erlangen ist mit FAU und Fraunhofer IIS stark in Hochfrequenz- und Sensortechnik. Die Industrie der Region liefert die Kunden. Die Gründer von FiveD waren Doktoranden am Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik der FAU Erlangen-Nürnberg und haben ihr Forschungswissen 2024 in ein eigenes Unternehmen überführt. 
Die Industrie der Region liefert die Kunden, und Gründerzentren wie ZOLLHOF, NKubator und IGZ sowie BayStartUp und die Wirtschaftsförderung machen Gründer:innen gemeinsam auf den Preis aufmerksam. Viele von ihnen sitzen auch in der Jury. Trotzdem ist der Preis kein reiner Tech-Award. Zu den früheren Preisträgern gehört etwa die bbco MesseManufaktur aus Veitsbronn, und 2026 war eine Pilzzucht unter den heißesten Kandidaten. Digitalisierung und KI stecken zwar inzwischen in fast allem, vom Kassensystem bis zur Warenwirtschaft im kleinen Laden, aber ein gutes Unternehmen braucht nicht zwingend Hightech.

Unternehmensnachfolge: Gründen ohne eigene Geschäftsidee

„Viele haben gar nicht die eigene zündende Geschäftsidee. Das muss auch gar nicht sein“, sagt Alexander. 
In Bayern stehen laut einer Studie des bayerischen Wirtschaftsministeriums in den nächsten fünf Jahren rund 53.000 Unternehmen zur Übergabe an, in Mittelfranken allein sind das 6.350 Familien-Unternehmen mit circa 80.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, denen ein Generationswechsel bevorsteht. Weil familieninterne Lösungen immer seltener klappen, werden externe Nachfolger:innen gesucht. Der Gründerpreis zeichnet sie deshalb ausdrücklich mit aus, sofern die Übernahme höchstens fünf Jahre zurückliegt und das Unternehmen neu ausgerichtet wurde. 
„Jede Nachfolge ist auch eine Gründung.“ 
Kronos Mechatronics ist selbst so ein Fall: Das Team hat per Asset Deal das Geschäft einer Vorgängerfirma übernommen, der ein Geschäftsführer fehlte, und daraus einen Hightech-Preisträger gemacht. Für Tech-Leute steckt darin eine eigene Chance: Viele Betriebe, die zur Übergabe anstehen, sind kaum digitalisiert. Wer Software, Daten und Automatisierung mitbringt, kann ein bestehendes Geschäft in die Gegenwart holen. 
Die größte Hürde ist oft die Finanzierung: „Bei einer Nachfolge ist es teilweise noch schwieriger als bei einer Gründung.“ 
In den USA gibt es sogenannte Search Funds, die gut ausgebildeten Nachwuchskräften die Übernahme ermöglichen, ein Ansatz, der auch hierzulande spannend wäre.

Warum die IHK den Preis vergibt: Was er bringt und wo er an Grenzen stößt

Der IHK geht es um Vorbilder. Sie will Lust aufs Gründen machen und zeigen, dass Selbstständigkeit eine echte Alternative zum Angestelltenjob ist. 
Und sie räumt mit einem Mythos auf: „Gründen ist nicht kompliziert. In der Regel ist das eine Anmeldung beim Gewerbeamt, und dann bist du gegründet.“ 
Für die Preisträger zählt etwas anderes: „Wenn du nachts nicht schlafen kannst und dich fragst, ob ihr noch richtig unterwegs seid, und dann sagt die IHK: Ihr bekommt den Gründerpreis, dann ist das ein riesiger Motivationsschub.“ 
Dotiert ist der Preis mit 3 × 10.000 Euro, übrigens einer der höchstdotierten Gründerpreise in Deutschland. 
Ehrlicherweise sagt Alexander aber auch: „Für ein Unternehmen, das schon erfolgreich ist, sind die 10.000 Euro eher nice to have.“ 
Ein Team gönnte sich davon zum Beispiel endlich die lang ersehnte Kaffeemaschine. Andere haben das Preisgeld auch schon gespendet. Wertvoller sind Film, Fotos, Pressearbeit und das Siegel einer etablierten Institution, wenn es um Venture Capital oder neue Auftraggeber geht. Nur ganz selten wird ein Preis lieber leise genutzt: Ein früherer Preisträger, der mit Steuerungstechnik direkt gegen einen großen Industriekonzern antrat, hielt die Auszeichnung bewusst klein. Seine Kunden sollten nicht an ein junges Startup denken. 
„Du musst das Gefühl geben: Uns gibt’s schon ewig, und uns wird’s auch immer geben.“ 
Doch in 30 Jahren Gründerpreis ist das bislang ein Einzelfall geblieben.
Vom Preisträger in die Jury: Was das Netzwerk bringt

Vom Preisträger in die Jury: Was das Netzwerk bringt

Wie weit der Preis trägt, zeigt Johannes Lehmann. Er wurde 2019 selbst für seine Unternehmensnachfolge bei der Frör Kunststofftechnik GmbH ausgezeichnet und sitzt heute in der Jury, ist Mitglied der IHK-Vollversammlung und stellvertretender Vorsitzender des IHK-Gremiums Erlangen. Damit ist er kein Einzelfall: Viele ehemalige Preisträger bleiben der IHK über den Preis hinaus verbunden, ob bei den Verleihungen, in der Jury oder engagieren sich ehrenamtlich in Fachausschüssen oder Gremien der IHK. 
„Das ist schon auch Netzwerkarbeit“, sagt Alexander. 
Außerdem sind die meisten der ausgezeichneten Unternehmen laut IHK bis heute am Markt. In der Start-up-Szene, in der viele junge Firmen die ersten Jahre nicht überstehen, ist das eine besondere Leistung. Dreißig Jahrgänge zeigen: Wer in Mittelfranken gründet oder übernimmt, baut nicht nur für den Moment, sondern für die Zukunft. Auf die nächsten 30 Jahre Gründergeist!
Netzwerk ist auch das Stichwort beim Nürnberg Digital Festival. Im Track Innovation & Business findest du als Gründer:in Impulse für dein Unternehmen, Menschen für den nächsten Schritt und eine Bühne, um dich zu zeigen, zum Beispiel mit einem eigenen Event im Programm.
Save the Date: 14. bis 24. Juni 2027.
Alexander Fortunato

Alexander Fortunato

Alexander Fortunato ist Leiter des Referats Handel und Dienstleistung | Gründung | Unternehmensförderung der IHK Nürnberg für Mittelfranken. In dieser Funktion verantwortet er auch den IHK-Gründerpreis Mittelfranken. Er ist seit 2013 bei der IHK und hat den Preis insgesamt rund fünf Jahre begleitet.

Häufige Fragen

Was ist der IHK-Gründerpreis Mittelfranken? Der IHK-Gründerpreis Mittelfranken ist eine Auszeichnung der IHK Nürnberg für Mittelfranken für junge Unternehmen mit nachweisbarem Markterfolg. Er wird seit 1996 vergeben, 2026 zum 30. Mal. Drei Preisträger:innen erhalten je 10.000 Euro.

Wer kann sich für den IHK-Gründerpreis bewerben? Unternehmen mit Sitz in Mittelfranken und IHK-Mitgliedschaft, deren Gründung oder Übernahme höchstens fünf Jahre zurückliegt. Freiberufler:innen sind nicht teilnahmeberechtigt.

Wer hat den IHK-Gründerpreis Mittelfranken 2026 gewonnen? FiveD GmbH aus Erlangen (virtuelle Testumgebungen für Radarsysteme), Kronos Mechatronics GmbH aus Nürnberg (3D-Druck für Elektronik und Mechatronik) und Nerdware GmbH aus Nürnberg (Software- und KI-Studio für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen).

Kann man mit einer Unternehmensnachfolge den Gründerpreis gewinnen? Ja. Auch Nachfolger:innen, die einen Betrieb übernommen und neu ausgerichtet haben, können sich in den ersten fünf Jahren nach der Übernahme bewerben. Ein Preisträger 2026, Kronos Mechatronics, ist aus einer Übernahme entstanden.

Wie gut ist die Gründerszene in Nürnberg aufgestellt? Die Metropolregion Nürnberg verbindet Gründerzentren wie den ZOLLHOF, Kammern, Hochschulen und Netzwerke wie das Nürnberg Digital Festival. Laut IHK arbeiten diese Akteure eng zusammen, was die Region auch im Vergleich mit München konkurrenzfähig macht.
Contact Person Avatar
Svenja Sorger Marketing, Projektorganisation Nürnberg Digital Festival