Polarisierung und Filterblasen verstehen: Eine interaktive Simulation personalisierter Social-Media-Plattformen
01.07.2026
|
17:00
-
18:00
Uhr
FAU Schöller-Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftsinformatik (4. OG)
|
Fürther Straße
248,
90429
Nürnberg
Sprache:
Deutsch
Soziale Medien werden in der öffentlichen Debatte häufig mit zahlreichen gesellschaftlichen Effekten in Verbindung gebracht. So wird ihnen zugeschrieben, politische Meinungen zu verschieben, zur Radikalisierung beizutragen oder sogar Wahlausgänge zu beeinflussen. Gleichzeitig gelten sie jedoch auch als wichtige Räume für politische Teilhabe, Mobilisierung und Sichtbarkeit von Positionen, die andernorts weniger Aufmerksamkeit bekommen. Auch bei der Frage, wie stark Plattformen reguliert werden sollten, gehen die Einschätzungen weit auseinander. Diese Perspektiven adressieren jeweils einen Teil der Realität, erklären jedoch nicht, wie die beobachteten Effekte tatsächlich zustande kommen. So bleibt häufig unklar, wie sich verstärkte Sichtbarkeit bestimmter Inhalte, die Zuspitzung von Debatten oder die Verfestigung von Positionen aus vielen einzelnen Entscheidungen entwickeln.
Solche Effekte lassen sich nur verstehen, wenn man das systemische Zusammenspiel der zugrunde liegenden Mechanismen betrachtet. Plattformen, Inhalte, algorithmische Auswahlmechanismen und das Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer beeinflussen sich gegenseitig und verändern sich laufend. Plattformen optimieren auf Interaktion und Verweildauer, während Inhalte entsprechend gestaltet werden und Nutzerinnen und Nutzer auf das reagieren, was ihnen angezeigt wird. Diese Reaktionen fließen wiederum in die nächste Auswahl ein und beeinflussen, was künftig sichtbar wird. Dadurch entstehen Rückkopplungen, die sich verstärken und bestimmte Inhalte oder Perspektiven begünstigen. In unserer Forschung zu digitalen Plattformen untersuchen wir genau diese Wechselwirkungen. Wir analysieren, unter welchen Bedingungen sich solche Dynamiken stabilisieren oder verändern und welche Rolle dabei unterschiedliche Anreizstrukturen spielen. Um diese Zusammenhänge nachvollziehbar zu machen, haben wir ein interaktives Simulationsspiel entwickelt.
In unserem Simulationsspiel übernehmen Teilnehmende unterschiedliche Rollen innerhalb einer Plattform und treffen Entscheidungen aus jeweils eigener Perspektive. Das Format richtet sich insbesondere an junge Menschen, die solche Mechanismen aus ihrer eigenen Nutzung kennen, ist aber zugleich offen für alle, die nachvollziehen möchten, wie soziale Medien funktionieren. In jeder Runde wird festgelegt, welche Inhalte entstehen, wie sie priorisiert werden und welche Zielgruppen angesprochen werden. Während Content Creators um Aufmerksamkeit konkurrieren und Werbetreibende ihre Botschaften platzieren, entscheiden Plattformbetreiber, welche Inhalte im Feed sichtbar werden. Nutzerinnen und Nutzer reagieren auf diese Auswahl, wodurch sich im nächsten Schritt erneut verschiebt, was Aufmerksamkeit erhält. So wird sichtbar, wie unterschiedliche Interessen, Machtverhältnisse und Anreizstrukturen zusammenwirken und welche Spielräume einzelne Rollen tatsächlich haben. Gerade diese Perspektive ermöglicht es, verbreitete Annahmen über die Wirkung sozialer Medien konkret nachzuvollziehen und einzuordnen.
Im Verlauf des Spiels lässt sich beobachten, wie sich aus diesen aufeinander aufbauenden Entscheidungen bestimmte Muster herausbilden. Inhalte gewinnen an Reichweite, weil sie Interaktion auslösen, während Themen in den Vordergrund rücken, wenn ähnliche Inhalte wiederholt erscheinen, und sich Positionen verfestigen, wenn Rückmeldungen überwiegend aus vergleichbaren Perspektiven stammen. Diese Muster ergeben sich nicht aus einzelnen Entscheidungen, sondern aus der Art, wie die verschiedenen Rollen und Ziele ineinandergreifen. Im Anschluss werden die im Spiel entstandenen Dynamiken gemeinsam ausgewertet, sodass nachvollziehbar wird, wie Macht- und Anreizstrukturen die sichtbaren Ergebnisse prägen und unter welchen Bedingungen sich vergleichbare Muster auch in realen Plattformumgebungen zeigen. Auf dieser Grundlage lassen sich die im Spiel erlebten Prozesse systematisch einordnen und auf reale Kontexte übertragen.
Empfohlen für: Personen aus Bildung, Wissenschaft, Medien- und Kommunikationsarbeit sowie Politik und öffentlicher Meinungsbildung, ebenso für alle, die Social Media nutzen, auch Jugendliche und junge Erwachsene, und verstehen möchten, wie Plattformlogik und Anreizstrukturen Meinungsbildung beeinflussen
Auch geeignet für:
Jugendliche
Studierende
Veranstaltet von
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Die 1743 gegründete FAU ist mit 40.996 Studierenden eine der großen Forschungsuniversitäten Deutschlands.
Laura Kneppe
laura.kneppe@fau.deEmpfohlene Events
Polarisierung und Filterblasen verstehen: Eine interaktive Simulation personalisierter Social-Media-Plattformen
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