„Wir brauchen mehr Frauen in der E-Mobilität“

"Ich freue mich, wenn ich im Hörsaal Studentinnen sehe": Madlen Hoffmann unterrichtet am Lehrstuhl für Leistungselektronik in Erlangen. Foto: privat

30.06.2022, Ute Möller

Wir brauchen mehr weibliche Fachkompetenz in der E-Mobilität. Nicht nur, weil in Deutschland immer mehr Fachkräfte fehlen. Sondern auch, weil die Perspektive der Hälfte der Gesellschaft nicht einfach marginalisiert werden darf. Elektromobilität und Verkehrswende gehören zu den drängendsten und medienwirksamsten Themen der Gegenwart. Damit bieten sie die Chance, in den Fokus zu rücken, wie gering der Frauenanteil in den Ingenieursberufen ist. Deutschland liegt im europäischen Vergleich weit abgeschlagen im hinteren Feld. Hier muss endlich konsequent Ursachenforschung betrieben und nach Lösungen gesucht werden.

Die weibliche Perspektive verändert die Mobilität

Flamingo und Dosenbier zeigt mit Porträts und Interviews außerdem regelmäßig Frauen, die in technischen Berufen und Wissenschaft einen Unterschied machen. Eine von ihnen ist die Erlanger Elektrotechnikerin Madlen Hoffmann. Sie schreibt ihre Doktorarbeit am Lehrstuhl für Leistungselektronik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und unterrichtet – vor allem Studenten. Denn nur zehn Prozent der Studierenden in der Elektrotechnik sind weiblich. Madlen möchte Frauen fördern, „es ist mir wichtig, ihnen meine Begeisterung für das Fach zu vermitteln.“

Für die 32-Jährige bietet die E-Mobilität große Chancen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Und wenn Frauen ihre Expertise einbringen, könnten die nur besser werden. „Wir müssen deshalb schon Mädchen dazu ermutigen, sich alles zuzutrauen, was sie machen möchten. Das kann natürlich auch Mathe sein.“

Madlen kam über den Umweg über den Leistungssport zur E-Mobilität. Bis zu ihrem 20.Lebensjahr spielte sie Tennis. Oberstufe und Abitur erledigte sie gleichsam nebenbei.

„Frauen werden gebraucht – also kannst du das auch!“

Madlen und ein Kollege führen an einem am Fraunhofer IISB entwickelten Multilevelumrichter Messungen durch. In E-Autos muss beispielsweise der chemisch in der Batterie gespeicherte Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt werden, damit sich der Motor drehen kann (Bild Unten).

Foto: EnCN/Alisa Zellner

Aufgewachsen in Ostdeutschland, hatte ihr Vater eine eigene Elektrofirma und ihre Mutter arbeitete mit. Auch auf den Baustellen, da war sie oft die einzige Frau und machte den Arbeitern klare Ansagen. Dass Mütter nach der Geburt schnell wieder arbeiten, war selbstverständlich. „Meine Mutter hat mir schon früh vorhergesagt, dass ich mal Elektrotechnik studieren werde und dass es für mich kein Problem sein wird, mich in einer männlich dominierten Branche durchzusetzen. Ganz einfach, weil in diesem Bereich auch Frauen gebraucht werden.“

Nach dem Tennis studierte Madlen zunächst Ernährungswissenschaften, dann trat sie den Bundesfreiwilligendienst am Uni-Klinikum in Jena an. Dort entdeckte sie ihr Interesse für Medizintechnik und studierte dies schließlich an der Universität Erlangen-Nürnberg. „Frauen belegen eher technische Studiengänge, die anwendungsbezogen sind. Bei den Medizintechnikern waren wir in etwa zur Hälfte Frauen.“
Nach zwei Semestern stieg sie um auf Elektrotechnik, weil ihr der technische Teil des Studiums immer wichtiger wurde. Und plötzlich saßen in den Vorlesungen zu 90 Prozent Männer, „aber das machte mir nichts aus, ich komme gut mit Männern klar, sie sind oft direkter und es gibt mit ihnen keinen Zickenkrieg.“ 

„Mach dich groß und zeige, was du kannst!“

Impulse von außen, die Mut machen, seien für Frauenkarrieren in männerdominierten Branchen wichtig. „Als ich Werkstudentin bei Siemens war, hat mir ein Vorgesetzter gesagt: Lass Dich im Kreis von lauter Platzhirschen nicht unterkriegen. Mach dich groß und zeige, was du kannst!“
Auf dem Weg zu CO2-neutralen Autos ist noch viel zu tun. Madlen erforscht die Elektromagnetische Verträglichkeit. Autobatterie und Elektromotor, der gesamte Antriebsstrang eines E-Autos, übertragen ungewollt elektrische oder elektromagnetische Effekte auf andere Komponenten. Madlen entwickelt Lösungen, um diese Effekte zu reduzieren. „Auch im Zusammenhang mit autonomen Fahren ist das eine wichtige Frage.“

In der Arbeit unterscheiden sich Männer und Frauen durchaus, meint Madlen. „Männer sind experimentierfreudiger, sie probieren eher einfach mal was.“ Sie selber sei sehr systematisch, „ich will eine Sache bis ins Detail durchdacht und verstanden haben, bevor ich sie in der Praxis teste.“ Beides zu verbinden – die Experimentierfreude und das Systematische – findet sie ideal. „Auch deshalb brauchen wir mehr Frauen in Forschung und Entwicklung.“

Quotenregelungen findet sie schwierig als Mittel, um mehr Frauen in Führungspositionen zu verhelfen. „In der Elektrotechnik gibt es insgesamt nur sehr wenig Frauen, da kann es gar nicht funktionieren, über eine Quote zum Beispiel 25 Prozent Frauen in die Vorstände von Firmen in der E-Mobilitätsbranche zu bekommen. Ich möchte auch gar nicht bevorzugt werden, weil ich eine Frau bin. Die Leistung sollte zählen.“

Das Empowerment-Magazin Flamingo und Dosenbier (www.flamingo-und-dosenbier.de) will hierzu seinen Beitrag leisten. Deshalb veranstaltet es beim Nürnberg Digital Festival am Mittwoch, 6. Juli 2022, 17 Uhr, in Kooperation mit der Kulturwerkstatt „Auf AEG“ die Podiumsdiskussion „Frauen in der E-Mobilität: Sie bewegen was“. Die Herausgeberin von Flamingo und Dosenbier, Ute Möller, moderiert die hochkarätig besetzte Diskussionsrunde mit Dr. Katharina Helten, Vitesco Technologies, Deutschlands „Top 40 unter 40“; Annette Kempf, Eclipseina GmbH; Dr. Sabine Gräbe, Valeo; Julia Langen, INTIS Integrated Infrastructure Solutions GmbH.

GELB PODCAST

28. Juni 2022

Falls ihr noch mehr zum Thema "Frauen in der E-Mobilität" erfahren wollt, dann hört in unsere aktuelle GELB Podcast Folge rein mit der Verkehrsexpertin Ute Möller.

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