Digitale Geschichte - Grenzsteine in Franken

© Jürgen Nickel, Historische Grenzen

21.06.2021, Stefanie Thielmann

Wer aufmerksam durch Wald und Flur geht, kann schon einmal über einen Grenzstein stolpern. Kleine, ca. 20 cm bis zu einem Meter aus der Erde schauende Steine, mit abgerundeten Ecken, mit eingemeißelten Buchstaben, Wappen oder Zahlen. Um diese Steine kümmert sich das Projekt HISTORISCHE GRENZEN von Jürgen Nickel.

Jürgen Nickel aus Zirndorf ist Hobby-Historiker. Bei einem Spaziergang stolperte er über einen dieser Grenzstein und hat sich gefragt, was es mit diesem Stein auf sich hat. Es war ein Hoheitsstein der Grenzlinie zwischen Hohenlohe und Preußen, in der Nähe von Schillingsfürst/Ziegelhütte. Dieser Stein hat sein Interesse so sehr geweckt, dass er sich seither dem Erhalt dieser Steine in Mittelfranken gewidmet hat.

Die erste Hürde war, dass diese Steine eigentlich gar keine Fürsprecher*innen hatten. Sie standen in der Natur, wurden in Gärten verschleppt und niemand hat sich wirklich um diese Steine gekümmert. Auch der Freistaat hatte keine Ansprüche oder offizielle Zuständigkeit. Jürgen Nickel hat es geschafft, dass den Freistaat Bayern von der Wichtigkeit der historischen Grenzsteine zu überzeugen und erreicht, dass die Untere Denkmalschutzbehörde für die Steine zuständig ist.

Analog oder Digital

Man könnte meinen, dass dieses Hobby ein sehr analoges ist. Jürgen Nickel antwortet in einem Interview mit Beate Dietz von nordbayern.de im April 2020 auf die Frage, ob er mit Spaten und Hacke durch den Wald liefe, dass ihm ein Smartphone und Internetverbindung zur Arbeit reichen.

Vornehmlich ist die Arbeit rund um die Steine mit viel Recherche verbunden. Wird ein Stein gefunden, geht die Hintergrundrecherche los. Gibt es eine Überlieferung zu diesem Stein? Zu welcher Grenzlinie gehört der Stein und gibt es ggf. weitere Steine in der Nähe? Erst einmal wird im Netz geschaut und die regionale Grenzlinie genauer betrachtet. Passt alles zusammen und der Stein kann eindeutig zugeordnet werden, dann wird er in der Karte des Projekts eingetragen. Diese Karte finden Interessierte natürlich auch online. Die Grenzsteinkarte ist in die Website des Projekts HISTORISCHE GRENZEN eingebunden. 

Historische Grenzen
© Jürgen Nickel

Das Projekt hat zudem seinen Weg in die Sozialen Medien gefunden. In Instagram und auf Twitter informiert das Projekt über den aktuellen Stand und bittet auch immer wieder um Hilfe. Wer im Wald oder am Wegrand einen Stein findet und vermutet, dass es ein Grenzstein sein könnte, kann diesen an das Projekt melden. Dankbare Helfer*innen kümmern sich dann darum, dass dieser Stein untersucht wird und wenn es ein Grenzstein ist, dass er auch der Denkmalbehörde gemeldet wird. Jede Hilfe ist willkommen und es reicht, wenn ein Foto gemacht wird und die Koordinaten des Steines übermittelt werden. Die Kontaktdaten sind auf der Website zu finden.

Digitales weiter gedacht

Wie könnte das Projekt noch digitaler wird? Ein Blick auf die App der Ausgrabungsstätte Tempel von Tarxien auf Malta eröffnet Möglichkeiten, die das Projekt ebenfalls nutzen kann. Diese App bietet Besucher*innen der geologischen Ausgrabung an, Informationen zu den einzelnen Tempeln über die Standort-Ortung abzurufen. Steht man an einer bestimmten Stelle, wird die Information zur Ausgrabung direkt wiedergibt. 

Sei noch die App des Tourismusverein südliche Fränkische Schweiz e.V. genannt, die einen Wanderweg rund um Gräfenberg mit Markierungen ausgestattet hat. Vor Ort kann man einen QR-Code scannen, der die Informationen zum jeweiligen Ort als Audiodatei abspielt.
Da das Projekt HISTORISCHE GRENZEN rein ehrenamtlich läuft, ist aktuell die Entwicklung einer App noch zu kostspielig, sollte sich aber ein Leser*in angesprochen fühlen und Ideen einbringen können und wollen, kann er sich selbstverständlich gerne mit Herrn Nickel in Verbindung setzen.
 

Stefanie Thielmann

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