Web-Videos - die Grundlagen

Youtube, Vimeo und  etwaige Plattformen werden immer erfolgreicher. Die verschiedenen Channels, also Kanäle auf denen die Videos gepostet werden, sprießen wie Pilze aus dem Boden. Es gibt beinahe zu jedem Thema einen eigenen Kanal. Doch einfach nur die Kamera draufhalten reicht oft nicht, um eine Handlung vernünftig und unterhaltsam abzubilden. Die Welt der Videoproduktion ist viel komplexer als das. Aus diesem Grund hat Stefan Fries im Zuge der Nürnberger Web Week ein Seminar über die Grundlagen der Webvideos gehalten.

Licht

Wir nehmen in unserer Umgebung vieles als gegeben hin und machen uns deshalb nicht weiter Gedanken darüber. So auch das Licht. Mit Licht und Schattenwurf können bestimmte Stimmungen erzeugt werden. Von Fröhlichkeit bis Angst kann beinahe jedes Gefühl abgebildet oder zumindest untermalt werden. Dunkle Szenen können Unbehagen auslösen, wohingegen eine helle Szenerie Freude auslösen kann. Natürlich können die jeweiligen Stilmittel auch ganz konträr eingesetzt werden und genau das Gegenteil erzeugen. Die Aufgabe des Fotografen oder Videomachers ist es also in eine bestimmte Stimmungslage zu führen. Neben hell und dunkel, können auch über Farben Stimmungen erzeugt werden. Hierbei muss nicht zwingend mit farbigen Lichtern gearbeitet werden, sondern der Weißabgleich der Kamera kann hier auch genutzt werden. Somit lassen sich kühle oder warme Szenen gut darstellen.

Die Belichtungszeit ist ausschlaggebend für die Helligkeit des Bildes.

Schärfe

Neben dem Licht können Bilder auch durch andere Stilmittel eingesetzt werden. Zum Beispiel die Schärfe. Diese kann mittels Objektiv reguliert werden und somit können ganz unterschiedliche Fokuspunkte, sprich was scharf abgebildet werden soll, gesetzt werden. Es können der Vordergrund oder Hintergrund hervorgehoben werden, je nachdem was scharf abgebildet wird, aber auch das gesamte Bild klar zeigen und somit nichts im Bildarrangement zu sondieren. Bei der Schärfe des Hintergrunds spricht man von Tiefenschärfe. Diese beiden Punkte lassen sich auf verschiedene Methoden bewerkstelligen. Hierfür gibt es zwei Hauptfaktoren: Die Blende: Diese kann beides beeinflussen. Sie reguliert je nach Blendeneinstellung wie tiefenscharf abgebildet wird und wieviel Licht in die Kamera gelangt. Je nach Objektiv sind diese lichtintensiver, was sich aber in einem höheren Preis widerspiegelt. Hier sollte allerdings nicht gespart werden, da die Objektive über die Zeit kaum an Wert verlieren. Die Belichtungszeit: Je nachdem wie lange das Licht auf den Sensor gelangt, ist ein Bild heller oder dunkler. Außerdem kann man mit der Belichtungszeit schnelle Bewegungen einfangen oder gezielt verschwimmen lassen. Es kann sogar die Nacht zum Tag gemacht werden, wenn ausreichend lange belichtet wird.

Je nach Schärfeneinstellung, lassen sich verschiedene Bildelemente fokussieren.

Schnitte

Der Schnitt macht den eigentlichen Film erst aus. Der Video Editor ist somit für das Arrangement und die Stimmung verantwortlich. Film und YouTube sind nicht immer das Gleiche. So gibt es Schnittarten in der Filmindustrie nicht so gern gesehen, finden aber unter den Youtubern rege Verbreitung. Es sollten nach Möglichkeit verschiedene Szenen aus vielen verschiedenen Perspektiven abgebildet werden. So hat man zwar anfangs beim Filmen einen wesentlich größeren Mehraufwand, kann allerdings beim Schneiden auf wesentlich mehr Material zurückgreifen. Dies erleichtert es natürlich das Video zu komponieren und verschiedene Effekte zu erzeugen. Für den Videoschnitt gibt es eine breite Palette an Schnittprogrammen, mit denen sich die geplanten Kompositionen und Effekte umsetzen lassen.

iMovie ist auch für erste Videoschnitte geeignet.

Bildkomposition 

Ganz abgesehen von den oben genannten technischen Einstellungen und Möglichkeiten Bilder zu komponieren, ist das Bildarrangement selbst von sehr hoher Wichtigkeit eine Szene zu gestalten. Je nachdem wo ein Objekt oder eine Person platziert wird erhält sie eine andere Wichtigkeit im Bild oder Video. Der Blick des Betrachters lässt sich so ebenfalls lenken. Ist ein Bild überladen, kann es unter Umständen zu anstrengend für den Betrachter sein und er muss überlegen was nun genau im Fokus stehen soll. Weniger ist also mehr.

Stefan Fries über die Bildgestaltung

Besonders die „Regeln“ zum Schneiden sind eher als Richtlinie statt Regel zu verstehen. Selbst in Hollywood werden die verschiedenen Stilmittel einem festen Zweck zugeordnet. Letztlich ist die Kreativität des Produzenten gefragt. So kann man sich auch mit „rebellischen“ Abweichungen von der Norm abheben und einen ganz eigenen Stil schaffen. Dies schafft Einzigartigkeit und hebt von der breiten Masse im  Internet ab. Ein Wiedererkennungswert, also die digitale Identität, ist heutzutage aufgrund des Überangebot im Internet absolut nötig um erfolgreich im Internet zu agieren. Niemand möchte immer wieder das Gleiche sehen sondern sich von Neuerungen unterhalten und inspirieren lassen. Immer wieder ausprobieren und experimentieren sind also die Devise.