Vernetzung im Gesundheitswesen

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Aktenschränke voll mit Patientendaten, veraltete Behandlungsmethoden und aufwändige Verfahren, um Patienten zu koordinieren, gehören wohl bald der Vergangenheit an. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist auf dem Vormarsch. Und die Gesundheitsbranche ist riesig und vielfältig. Es gibt einiges zu digitalisieren, von der Diagnose, über Apotheken, Versicherungen bis zur Behandlung. Nebenbei müssen auch Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und nicht zuletzt Patienten auf die Digitalisierung vorbereitet werden. Ganz schön viel zu tun also.

Was bedeutet Digitalisierung im Gesundheitswesen?

Digitalisierung umgibt uns in allen Lebensbereichen und macht auch vor der Gesundheitsbranche nicht Halt. Das Medical Valley in Erlangen beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Digitalisierung in Gesundheitsfragen. Tobias Zobel, Gründer mehrerer Startups und im Bereich des Managements von d.hip tätig, stellt im Rahmen des Digital Festival in Nürnberg eine Möglichkeit vor, wie Digitalisierung im Gesundheitswesen in drei Schritten umgesetzt werden kann.

Der Patient ist heutzutage nur ein Teil des Gesundheitssystems. Im Vergleich zu anderen Ländern hängt Deutschland in der Digitalisierung der Daten durch den hier geltenden Datenschutz hinterher, erklärt Zobel. Natürlich hat dieser auch Vorteile, doch mit Blick auf Digital Health wirft uns genau dieser Datenschutz im internationalen Vergleich um Jahrzehnte zurück. In der Entwicklung geht es meist nicht darum endlich weiter zu kommen, sondern nur darum, dass kein Gesetz verletzt wird. Technologisch könnte jetzt schon viel mehr entwickelt werden, jedoch müssen Firmen noch darauf warten, wie welche Daten genutzt werden dürfen. Zurzeit werden schon Geräte entwickelt die Diagnosen vorschlagen könnten. Heutzutage weiß der Patient nicht, wer mit wem kommuniziert. Wer bekommt letztendlich wirklich seine Daten zu sehen?

Der nächste Schritt, sobald die Gesetzgebung dahingehend angepasst ist, wäre eine Plattform zu entwickeln, auf der jeder Patient auf seine Daten zugreifen kann. Zudem sollen alle aktiven Akteure im Gesundheitssystem Daten auf diese Plattform spielen können. Zukünftig könnte der Patient vielleicht entscheiden ob er diese Daten dann zu Forschungszwecken bereitstellen will oder sogar auf ihn personalisierte Werbung erhält. Auch Geschäftsmodelle könnten sich künftig dahingehend verändern. Eine große Angst ist, dass so Versicherungen an unsere Daten kommen und dies negative Auswirkungen, z.B. auf Krankenversicherungen, hat. Um dies zu vermeiden, müssten neue Gesetze entworfen werden, die speziell an die Digitalisierung von Patientendaten angepasst sind.

Laut Zobel soll in weiterer Zukunft, die Digitalisierung darauf ausgelegt werden, dass der Patient im Mittelpunkt des Gesundheitssystems steht. Die Patientendaten sollen so an die jeweils verantwortlichen Stellen weitergegeben werden, dass zum Beispiel anhand der DNA Ernährungspläne erstellt werden können. Ein für das Gesundheitssystem transparenter Mensch könnte durch eine DNA-Analyse z.B. chronischen Risiken vorbeugen. Genau vor diesem Punkt haben viele Menschen Angst. Dennoch gibt es auch schon Länder, wie zum Beispiel Estland und die USA, in denen digitale Gesundheitsakten und die Benutzung von Gesundheitsapps ganz alltäglich sind.

Themen, die sich jetzt noch nach Science-Fiction anhören, könnten in 50 Jahren zu unserem alltäglichen Leben gehören. So könnten beispielsweise bald Nano Bots durch unsere Blutkreisbahn geschickt werden, um Diagnosen zu stellen. Diese Entwicklung wird voraussichtlich auch in unserem Gesundheitswesen eintreten. Das Ziel ist, den Patienten in den nächsten Jahren in den Mittelpunkt des Gesundheitssystems zu stellen. Er kennt alle seine Daten und kann allein entscheiden wie und von wem sie verwendet werden.

Ob es jetzt Programme sind, die uns Diagnosevorschläge geben oder Kameras die geschluckt werden und so unseren ganzen Darm analysieren können, die Zukunft der Medizin hat viel zu bieten. Wenn wir offenbleiben und darauf vertrauen, dass verantwortungsvoll mit unseren Daten umgegangen wird.

Ein zentraler Aspekt der Digitalisierung im Gesundheitswesen sind also Daten. Doch Daten spielen im Bereich der Gesundheit schon längst eine Rolle. Patienten, Hausärzte, diverse Fachärzte, Apotheken und auch Krankenkassen benötigen und besitzen die Daten der Patienten. Diese Daten sollen im Zuge der Digitalisierung zusammengetragen werden. An dieser Stelle kommt die Vernetzung ins Spiel. Die Akteure im Gesundheitsbereich sollen besser miteinander verknüpft werden, um dem Patienten unnötige Arbeit oder Wartezeiten zu ersparen.

Wie Daten unser Leben vereinfachen

Der Weg zur Sparkasse, unnötig und von vorgestern. Der Weg zur AOK notwendig und alltäglich. Doch auch die Krankenkassen versuchen sich zunehmend an der Digitalisierung.

Gesetzlich Krankenversicherte zeigen sich offen interessiert gegenüber den Angeboten ihrer Krankenkasse. Statt den mühseligen Weg zur Krankenkasse oder das lange Warten am Telefon, erledigen die Kunden ihre Anliegen schnell, online und innerhalb weniger Sekunden. Das ist, worauf Menschen im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung Wert legen, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen und nicht mit Warten zu verschwenden.

Das bestätigt auch eine Umfrage der „Heute und Morgen“. 51 Prozent der Befragten wünschen sich mehr digitale Lösungen seitens der Krankenkasse. Seien es mehr Online Angebote, wie beispielsweise Krankmeldungen per App einzureichen, oder auch einfach nur Online-Communitys.

Doch genauso bietet auch die Digitalisierung innerhalb der Krankenkasse viele Vorteile. Alles ist für ausgewählte und zugriffsberechtigte Personen verfügbar – egalb ob Mitarbeiter, Ärzte, Pfleger, Krankenhäuser oder auch Altenheime. Sie alle haben Zugriff und können den Patienten schnellstmöglich helfen. Datenschutz war immer der Punkt, der dazu geführt hat, Potenziale zu verhindern. Jedoch bietet eben diese Bereitstellung der Daten mehr Möglichkeiten bei schnellen und fundierten Diagnosen.

Prof. Dr. Siegfried Jedamzik aus Ingolstadt hat beispielsweise in seiner eigenen Praxis viele medizinische Tools. Diese verbinden sich direkt mit dem System, und man erhält einen Einblick in die Akte. Dort können sie dann direkt die Medikamente ändern und kommunizieren darüber mit den Schwestern, Pflegern und dem Altersheim.

„Lassen wir mal nicht den Patienten durch die Gegend laufen, sondern die Daten“, fordert Jedamzik. Schließlich geht es letztendlich um die Menschen. „Die ganze Technik soll dazu führen, dass wir mehr Zeit für die Patienten gewinnen“, erklärt der Mediziner.

Dafür müssen wir bereit sein, Daten bereitzustellen. Digitalisierung funktioniert nur, wenn Daten vorhanden sind.

Doch Daten sind nicht alles. Während sie in vielen Bereichen unerlässlich sind, gibt es sogar in der neuen, digitalisierten Welt Fälle, in denen man fast ohne Daten auskommt. Doch bevor es um diesen Fall geht, muss zunächst die dazugehörige Problemstellung erläutert werden. Konkret geht es hierbei um das Chaos und die Mehrarbeit, die entsteht, wenn ein Patient vom Krankenhaus in eine weiterführende Pflegeeinrichtung überwiesen werden soll.

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