Unser digitales Erbe – ein Tabuthema offen diskutiert

„Ich bin ja eh nicht in Facebook und Co. unterwegs“ – wer glaubt, er hinterließe deshalb keine Spuren im Netz, der irrt sich. Allein die private Mailadresse oder ein schnell angelegter Account, um mal eben die schöne Obstschale auf Ebay zu ersteigern, hinterlassen mehr Daten und Spuren, als so mancher glaubt. Was aber passiert mit unserem digitalen Vermächtnis, wenn wir einmal nicht mehr sind? „Jeder hat eine Vollkaskoversicherung, nicht, dass dem Lack noch was passiert. Und was ist mit wirklich relevanten Themen...?“, schmunzelt Dennis Schmolk, einer der beiden Referenten. Niemand spricht gerne über den Tod – und doch ist es irgendwann einmal notwendig. Zu Beginn der Veranstaltung über digitalen Nachlass stellen die Blogger Sabine Landes und Dennis Schmolk die Frage, wer denn alles schon einmal was von digitalem Nachlass gehört habe. Die Hälfte der anwesenden Besucher bejaht. Anders sieht es bei der nächsten Frage aus: „Wer hat sich denn selbst schon um seinen digitalen Nachlass gekümmert und vorgesorgt?“, fragt Sabine Landes. Alle Hände bleiben unten. „Das ist nicht verwunderlich“, erklärt Landes, „das Thema ist zwar nicht allzu neu, poppt aber jetzt erst so langsam wirklich auf. Das Interesse am Thema ist groß.“

Was ist eigentlich digitaler Nachlass?

„Jeder, der an der digitalen Gesellschaft teilnimmt – und damit ist nicht nur Social Media gemeint – sollte sich mit dem Thema auseinandersetzen“, rät Dennis Schmolk. Usern ist ihr „Erbe“, das sie Nahestehenden im World Wide Web hinterlassen, gar nicht bewusst. Daher die berechtigte Frage: Woraus besteht digitaler Nachlass überhaupt? Einige Beispiele:          •  Cloud-, dropboxartige bzw. sämtliche Online-Dienste
        •  Online erworbene Inhalte wie Filme oder E-Books
        •  Mitgliedschaften und Accounts
        •  Kontakte
        •  Chats und Mails Nicht selten ist es passiert, dass auf Angehörige nach einiger Zeit noch offene Rechnungsbeträge von Verstorbenen zukamen. Da diese keinen Zugriff auf das Postfach hatten, wussten sie natürlich nichts  davon.

Die spannende Frage: Vor- oder Nachsorge?

Es gibt nun viele Wege, sich um seinen digitalen Nachlass zu kümmern. „Verschlüsseln ist die beste Alternative“, beginnt Dennis Schmolk zu erzählen. „Ich sammle und ergänze in einer Cloud bereits sämtliche Urkunden wie Geburts- oder Heiratsurkunden.“ Schmolk berichtet weiter, dass er eine Liste mit URLs der Accounts und Websites, Benutzernamen und Passwörtern erstellt habe. „Für meine Hinterbliebenen, die technisch nicht ganz so affin sind wie ich, habe ich eine Dokumentation angelegt, was zu tun ist, wenn es so weit ist“, erklärt er. „Ich musste mir erst einmal selber bewusstwerden, was geregelt werden soll und was mir eigentlich egal ist. Deswegen habe ich mir zunächst mal ein Daten-Tagebuch angelegt. Außerdem habe ich mit Hilfe eines Passwort-Managers meine wichtigsten Daten mit einer Notiz, was zu erledigen ist, abgelegt“, verrät Sabine Landes. Und weiter: „Ein Thema steht bei mir aber auch noch aus: Was soll mit meinem Facebook-Account passieren? Möchte ich mal ein Gedenkprofil haben? Ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht.“ 

Sabine Landes beschäftigt intensiv mit dem Thema digitalen Nachlass.

Eine Liste vieler Dienstleister, die sowohl bei der Vor- als auch Nachsorge behilflich sein können, sind im Blog digital.danach aufgelistet.

Erster Schritt: Ein Daten-Tagebuch

Niemand muss von jetzt auf gleich wissen, was mit all seinen Daten später einmal passieren soll. Ein guter Anfang, sich des Themas einmal zu nähern, wäre ein Daten-Tagebuch. „Einfach mal eine Woche lang begleiten und notieren, welche Onlinedienste oder Social Media Plattformen wir Tag für Tag nutzen. Man muss ein Bewusstsein dafür entwickeln, wo man Spuren hinterlässt“, rät Landes. Und ihr Bloggerkollege ergänzt: „Früher ging es darum auszuwählen, was es wert ist aufzuheben. Heute ist es so, dass einfach alles online gespeichert wird. Da müssen wir uns eher überlegen, was alles weg kann.“ Text: Franziska Hofmann