Stefan Probst - Impulsgeber in der Fränkischen Web- und Start-Up-Szene

Die Web- und Unternehmerszene in Franken entwickelt sich prächtig und sie ist dabei, den Weg aus der Nische einzuschlagen. Die Grundsteine dafür wurden bereits vor gut fünf Jahren gelegt. Die Szene war seinerzeit in vieler Hinsicht noch kaum ausgeprägt und nur wenig sichtbar. Stefan Probst erkannte das Potential der Strukturen, die im Begriff waren, sich zu bilden, und er tat das, wofür er von vielen Leuten heute sehr geschätzt wird: er brachte die richtigen Ideen, zu den richtigen Leuten und gab ihnen den Schubs in die richtige Richtung.

Gründer und Unternehmer mit Open Source Hingabe

Begriffe aus der klassischen Welt greifen nicht sonderlich gut, um Stefan Probst einzusortieren. Er ist Jahrgang 1967, Unternehmer und Business Consultant. Seine ersten Startup-Erfahrungen sammelte er noch an der Uni, als Mitbegründer des „Linux Valley Franken“, dem er lange Jahre treu blieb. Mittlerweile ist er unter anderem im Vorstand der Open Source Business Foundation tätig, einem Verein zur Förderung von Open Source Software, der sowohl Unternehmen als auch Organisationen unterstützt, um die spezifischen Vorteile von Open Source und Open Innovation in ihren eigenen Geschäftsmodellen zu nutzen. Die Position als Mitgesellschafter bei Insight Innovation, eine Gruppierung aus Innovationsexperten und Umsetzungsspezialisten, oder als Mitgründer des Coworking Space Nürnberg überrascht da wenig. Stefan verfolgt viele Aktivitäten und mischt unterstützend und helfend an etlichen Ecken mit. Open Source ist sein Thema und er wendet es nicht mehr nur auf Software und Unternehmen an, sondern eigentlich auf die ganze Metropolregion. Stefan weiß, dass Ideen und Innovationen ausreichend Raum und die richtige Plattform brauchen, um entstehen und gedeihen zu können. Er initiierte vor fünf Jahren das Startup-Weekend in Nürnberg, das damals nicht nur unter den ersten drei in Deutschland war, sondern sich seitdem auch als eine innovative Geschäftsmodellmaschine bewährte. Es ist keine Selbstverständlichkeit in der wuseligen Welt der Freiberufler und Gründer, dass sich übergreifende Veranstaltungen etablieren und institutionalisieren. Nürnbergs Start-Up-Weekend wird inzwischen bereits im fünften Jahr zur Folge ausgerichtet, mittlerweile ganz in den Händen des Coworking Space Nürnberg. Stefan war und ist Impulsgeber für die Region. Er ist ausgesprochen zufrieden über die Vielfalt der innovative Formate, die sich in den vergangenen Jahren etabliert haben und die mittlerweile nicht mehr wegzudenken sind, egal ob BarCamp, Global Service Jam, Global Ignite, FabLab, PechaKucha, NerdNite, Webmontag oder WebWeek. Es laufen zwar viele Fäden bei Stefan zusammen, er selbst legt jedoch Wert darauf, dass Projekte schnell ihre eigene Unabhängigkeit finden. Projekte mit Potential werden von ihm postwendend mit Unterstützung, Impulsen, Rat und Kontakten versorgt, und das sehr erfolgreich.

Standortvorteil: Gute Vernetzung und gute Infrastuktur

Die Start-Up und Unternehmerszene in Nürnberg hat inzwischen zwar an Fahrt gewonnen, andere Gegenden wie Berlin, Hamburg oder München sind jedoch immer noch in anderen Welten unterwegs. Fördergelder gehen dabei gerne an den wachsenden Strukturen von Nürnberg vorbei, „was besonders schade ist, da deren Idee ja gerade darin liegt,  neuen Ideen und Wegen unter die Arme zu greifen, damit sich das Potential daraus besser entwickeln kann.“, attestiert Stefan. Auch halten sich die etablierten  Gründerzentren mit innovativen Themen und Engagement eher zurück. Mittlerweile sorgen aber auch die von Stefan befeuerte personelle Infrastruktur rund um den Coworking Space und nicht zuletzt die WebWeek für die Grundvernetzung und die richtigen Anstöße. Es gibt weiterhin Eigenbrötler, und es wird sie immer geben, aber es existiert auch für Stefan ein starkes Netzwerk und großer Zusammenhalt in der Region. Nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit, schon weil der Ellenbogen zum Business gehört. In Nürnberg unterstützt man sich dennoch auffallend hilfsbereit und geht kooperativ miteinander um. Die Szene ist umfangreich, aber es dürfte, wenn‘s nach Stefan ginge, noch ein bisschen mehr sein - vor allem Unternehmen lassen hier noch viel Potential für externe Wertschöpfung und Kreativität ungenutzt. Charakterisierend ist der harte Kern, ein Pool an Leuten, die seit den Anfängen dabei sind und um die sich eigentlich alles dreht. Dieser Kern sorgt aber auch dafür, dass die Szene sich nicht wieder verkriecht oder sich zerstreut. Nürnberg kann „Heimat für Kreative“ sein, auch wenn sich mit Blick auf Hamburg, Berlin oder München die Frage stellt: Wieso Nürnberg? Für Stefan positioniert sich Nürnberg nicht nur geografisch zwischen München und Berlin. Die Stadt ist noch überschaubar, verfügt gleichzeitig aber auch über eine vollständige Infrastruktur und eine gesunde Erdung. Die großen und wichtigen Themen der Gegenwart finden auch in Nürnberg statt. Stefan verweist in diesem Zusammenhang auf das OpenUp Camp, ein Wochenende, an dem Unternehmen mit Technologietrends zusammengebracht werden. Es geht um innovative Trends in der digitalen Welt, wie z.B. um offene und maschinenlesbar zugängliche Daten, um Open Government oder um Quantified Self. Viele kreative Köpfe aus der Webszene werden mit dabei sein, sich hinsetzen, nachdenken und mitmachen. Und je mehr Webdesigner am Ende dort sind, desto bunter wird’s. Interview und Text: Dirk Murschall