Start Doing: Schluss mit den guten Vorsätzen

Stefan Wacker 2019 Lizenz: Alle Rechte vorbehalten all

Zu Jahresbeginn kulminieren sie wieder: Gute Vorsätze wohin wir schauen. Und ähnlich wie mit den „guten Vorsätzen“, die wir uns täglich oder wöchentlich in Form von To-do-Listen, von Trello-Boards, neuen Notizbüchern mit speziellen Einteilungen fürs Zeitmanagement, Mikro-Projektplänen oder anderen Formen einer persönlichen Agenda setzen, werden die meisten von uns damit genauso scheitern und sowohl am Ende eines Tages als auch am Ende des Jahres feststellen, dass die Umsetzung nicht besonders erfolgreich war. Aber morgen … Kommt uns bekannt vor, oder?

Als Berater die Empfehlungen auch selbst umsetzen

Im Grunde arbeiten wir damit in unserem persönlichen Bereich nach Wasserfall-Modellen. Abweichungen und Unerwartetes sind nicht vorgesehen. Obwohl wir es eigentlich besser wissen. Jedes „Aber morgen …“ bedeutet weiteren Planungsaufwand ohne Mehrwert, bis irgendwann klar wird, dass unsere Vorsätze Illusion geworden und wir gezwungen sind, einen neuen Plan aufzustellen. Nach dem gleichen Schema.

Das Bemerkenswerte dabei ist: Wenn ich als Berater mit meinen Kunden agiles Arbeiten einführe, dann sind diese Dinge sonnenklar. Mit dem Blick von außen lassen sich die Muster nämlich gut erkennen, lässt sich an Veränderung arbeiten. Bei mir selbst bin ich schnell betriebsblind, brauche gute Artikel oder Bücher, die mir zu einem Aha-Erlebnis verhelfen und manchmal empfiehlt sich auch eine Session mit einem Coach, um klarer zu sehen.

Geht es um das große Ganze, um New Work und die anderen Buzz Words, dann sprechen wir ganz selbstverständlich von der VUCA-Welt, sprechen davon, wie komplex und schwer planbar alles geworden ist. Doch ist uns wirklich klar, dass das auch unser eigenes Leben betrifft? Denn warum sollte die Veränderungsgeschwindigkeit gerade vor uns Halt machen?

Es sind nur zwei entscheidende Dinge

Wir  kennen die Methoden, die uns helfen, mit dieser Geschwindigkeit fertig zu werden und wir vertreten sie mit Überzeugung in unserem beruflichen Umfeld. Höchste Zeit also, sie auch für uns persönlich anzuwenden. Das soll nicht heißen, dass wir nun am Frühstückstisch als Scrum Master auftauchen und unsere Partner und Familien mit Daily Stand-ups, Sprint Plannings und Retrospektiven beglücken.

Stattdessen brauchen wir nur  zwei Dinge, um das Vorgenommene erfolgreich in die Tat umzusetzen: Wir müssen eine Struktur, einen Rhythmus etablieren und uns einen Fokus setzen, um die dafür notwendigen Aktivitäten daraus abzuleiten und kontinuierlich zu adaptieren. Nur so wird Agilität – richtig verstanden – erst möglich.

Der Rhythmus bringt den Erfolg

Rhythmen und Zyklen gehören zum Menschsein dazu: Tag und Nacht, Biorhythmen mit Phasen höherer und niedrigerer Energie, Atmung, Herzschlag und selbst die Jahreszeiten geben uns Struktur vor. Jeder kennt den Jet-Lag, der uns aus dem Rhythmus bringt und uns lähmt.

Der Rhythmus, daily, weekly, Sprints: Im Agilen wird genau das zum Prinzip erhoben. Routinen und Struktur geben uns die nötige Flexibilität, den Weg zum gewählten Ziel zu erreichen – und dabei unser Vorgehen an Veränderungen anzupassen. Denn dass sich etwas ändert, davon können wir getrost ausgehen. Schwierigkeiten ähnlich denen, die sich uns in den Weg stellen, wenn wir uns zu Beginn des Jahres etwas vornehmen.

Fokus statt Mikro-Management

Doch wie können wir flexibel bleiben,  wenn wir alles bis ins letzte Detail durchplanen? Wie schaffen wir den Spagat hin zu der Orientierung, die wir so dringend brauchen, um das große Ziel im Auge zu behalten? Das betrifft unsere Vorsätze am Jahresanfang genauso wie unsere täglichen persönlichen To-dos, die Umsetzung eines Projekts oder einer Strategie im Unternehmen. Dafür brauche ich keine detaillierten Aktivitätenlisten. Es reicht, wenn ich mein Ziel immer vor mir habe und jedes Mal neu entscheide, was denn für die Erreichung des Ziels unter Anbetracht der möglicherweise schon wieder veränderten Umstände angemessen ist.

Das geht sicher nicht ohne Kriterien, die mir zeigen, wie gut ich meinem Ziel näher gekommen bin. Aber es geht, ohne darüber nachzudenken, welche vormals geplanten  Aktivitäten jetzt nicht mehr sinnvoll sind. Wichtiger ist zu überlegen: Was müssen die nächsten Schritte sein? Und wenn wir die noch nicht kennen, was wären mögliche Optionen und welche davon probieren wir aus? Die „Objectives and Key Results“ (OKR), gerade als „Googles Wunderwaffe“ sehr prominent, machen nichts anderes: Ziele setzen und messbare Schlüsselergebnisse zuordnen. Alles andere lässt sich in die Eigenverantwortung der Mitarbeiter oder Teams geben.

Zeitfenster sind der Schlüssel

Das Einzige, was wir dann konsequent durchhalten müssen, sind die Zeitfenster. Der Sprint steht im Agilen nicht zur Disposition, die vereinbarten täglichen oder wöchentlichen Besprechungsformate auch nicht. Dazu noch das Ziel und die Vereinbarung darüber, wie wir den Fortschritt auf unserem Weg bemessen können. Die Inhalte sind flexibel, das Ziel nicht. Die Zeit ist die Ressource, deren Verfügbarkeit keiner von uns verändern kann. Bei 24 Stunden am Tag ist Schluss. Und wie heißt es so treffend: Wenn sich deine Prioritäten nicht in deinem Kalender wiederfinden, läuft etwas grundsätzlich falsch.

Als Vorsatz für 2019 reicht: Fokus setzen und Rhythmus aufnehmen

Ob es nun private Zeitfenster sind oder Arbeitsformate und Treffen für mein Team – entscheidend ist, dass wir uns durch den passenden Rhythmus die Strukturen schaffen, um kontinuierlich auf unser Ziel hinzuarbeiten, das wir uns gesetzt haben und dessen Erreichen wir messen können. Die Details kommen dann von alleine. Wenn wir im Rhythmus bleiben. Das erste verschobene Daily Stand-up, die erste Ausrede am Morgen, der erste verlängerte Sprint, das erste großzügige Um-Interpretieren unserer Erfolgskriterien sind schon der Anfang vom Ende.

Starten Sie mit einem Fokus privat und einem beruflich. Finden Sie den richtigen Takt. Und lassen Sie sich vom Rhythmus zum Erfolg tragen!