„Start Doing“

Gruppenmeeting, Hände kleben PostIts auf Papier

Wenn aus einer Nürnberg Web Week ein Nürnberg Digital Festival wird, dann zeigt das vor allem eins: Nürnberg digital lässt sich nicht zeitlich beschränken.

Eine Entwicklung, zu deren Beginn jemand ins „Doing“ gegangen ist. Diese Macherinnen und Macher sind nicht stehengeblieben, haben sich nicht auf dem (vorläufigen) Erfolg ausgeruht. Stattdessen haben sie sich angesehen, wie die Welt sich verändert und welche Anforderungen und Bedürfnisse sich zeigen, und sie haben ihr Konzept daran angepasst. Als wäre es der erste Tag. „Always Day 1“ nennt das Jeff Bezos bei Amazon.

Doch was wäre gewesen, wenn ein Unternehmen oder eine Institution ein Nürnberg Digital Festival sowie ein ganzjähriges Programm aus dem Stand ins Leben hätte rufen wollen? Unzählige Abstimmungen, Planungen und Budgetdiskussionen später wäre von der großen Idee ziemlich sicher nicht mehr viel übrig geblieben. Warum? Weil die Welt sich längst schon weitergedreht hätte. Bei der heutigen Komplexität werden langwierige Planungen immer schwieriger, wenn nicht gar unmöglich.

Die Herausforderung der Digitalisierung? Programmieren alleine reicht sicher nicht!

So stecken im Weg von der Web Week zum Digital Festival schon alle Prinzipien, die heute in der Digitalisierung wichtig sind: Verstehen und Erkennen von Bedürfnissen, Verbinden der „Welt draußen“ mit der eigenen Arbeit, Experimentieren mit unterschiedlichen Ansätzen, Zusammenarbeiten und Aufeinanderaufbauen, kritisches Hinterfragen, systematische Retrospektive und das konsequente Ausrichten unserer Aktivitäten an diesen neuen Erkenntnissen. „See-move–see cycle“ heißt das bei den Designtheoretikern Schön und Wiggins und sie sprechen von einer „reflective conversation with the situation“.

Dieses „Sprechen mit der Situation“ steckt im Agilen, das steckt im Lean, das steckt im Design Thinking. Und sie alle fordern eines ein: Start Doing. Nicht blindlings, nicht aktionistisch. Sondern mit dem, was uns jetzt plausibel erscheint und worin wir die größten Chancen erkennen. Mit der Gewissheit, dass es dabei nicht bleiben wird, dass wir etwas (und uns) ändern müssen – abhängig von unseren Erkenntnissen und Erfahrungen. Wobei Erfahrungen ja zeigen, dass wir bereits im Tun sind Und damit schon mal auf dem richtigen Weg!

„Zwischen Worten und Taten liegt das halbe Meer“

Ein italienisches Sprichwort zeigt: Was einfach klingt, ist es meist nicht. Für die Unternehmen nicht – auf der Ebene der strategischen Entscheidungen und der so sehnlich herbeigewünschten disruptiven Geschäftsmodelle. Und für die Mitarbeiter ebenfalls nicht. Denn das Management steckt zwar den Rahmen ab – doch schöpfen wir ihn als Mitarbeiter auch wirklich aus? Stellen wir ihn auch mal in Frage? Oder ist uns das Risiko dann doch zu groß?

Gleiches gilt für Politik und Gesellschaft. Erst kürzlich sprach Olaf Scholz mal wieder von den „Gefahren der Digitalisierung“. Die gibt es und es gilt sie zu verstehen, keine Frage. Nur: Der alleinige Blick auf die Gefahren führt zu Abwehr und Rückzug. Eine „Konversation mit der Situation“ wird dann sehr schwierig und wir werden die Chancen nicht erkennen können. Geschweige denn, dass wir ins Tun kommen.

Let’s play to innovate

Dabei bringen wir als Menschen alles, was wir brauchen, um uns den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen, doch mit: Offenheit, Ideen und die Fähigkeit, sie gemeinsam zu entwickeln. Denn spielen, entdecken, erforschen und Neues ausprobieren sind schließlich typisch kindliche Eigenschaften, die wir alle beherrscht haben.

Das Problem dabei: In unserem System werden – positiv formuliert – andere Eigenschaften gestärkt. Was zur Folge hat, dass wir es im Laufe von Kindergarten, Schule, Studium oder Ausbildung Stück für Stück verlernen, unvoreingenommen und spielerisch auf etwas Neues zuzugehen. Genau deswegen haben die nächsten Service Design Drinks am 16. Oktober auch das Thema „Lets play to innovate“ (Link: www.servicedesign-nuernberg.de/session/lets-play-to-innovate-erfolgreich-in-der-vuca-welt/). Es geht um den spielerischen Silicon Valley Spirit und darum, wie wir uns diese Haltung ebenfalls wieder zu eigen machen können. Mit der Gewissheit, dass uns selbst ein eventuelles Scheitern weiterbringen wird. Weil es in Wahrheit ein Dazulernen ist.

Alles auf Anfang

Dieses „Start Doing“ treibt mich persönlich um. Wie lässt sich das Beginnen einfacher machen, wie sieht der erste Schritt aus, wie geht das mit dem Sich-Trauen und was, wenn unsere Experimente nicht so ausgehen, wie wir es erwarten? Wie können wir gemeinsam unsere Haltung, unsere Sicht auf die Dinge und unser Handeln verändern? Egal, ob im persönlichen Leben und Alltag, im Unternehmen – unabhängig von der Position – oder im gesellschaftlichen Kontext. Ich bin überzeugt davon, dass wir es nur auf einem Weg herausfinden werden: einfach anfangen! Und feststellen, wie viele unterschiedliche Ansätze sich so auf einmal verbinden lassen.

Hiermit habe auch ich nun einfach angefangen mit meinen zukünftig monatlichen Gedanken zum „Start Doing“. Mit dem Ziel, Impulse zum Nachdenken, zum Diskutieren und zum Auseinandersetzen zu geben. Ich freue mich auf Feedback, auf regen Austausch und auf gemeinsames Dazulernen.

 

Bildquelle: Lisa Doneff, www.lichtblicke-fotografie.com