Senioren und Digitalisierung – abgeholt oder abgehängt?

Wenn Oma am Smartphone surft, ist sie noch immer eine Ausnahmeerscheinung. Ist doch logisch: Was Digitalisierung angeht, haben Generation X, Y und Z einfach die Nase vorn. Oder gibt es sie vielleicht doch, die digitalen Senioren?

Wer Updates auf seinem Smartphone durchführt, Termine via App koordiniert und mehr Bilder als Telefonate empfängt, ist selten über 60. Während Digital Natives Teil der technischen Entwicklung sind, werden Senioren und Digitalisierung eher selten in einem Satz genannt. Studien belegen, dass dieser Eindruck nicht täuscht.

Wie häufig nutzen Sie persönlich das Internet?

Eine Statistik von statista zeigt die Ergebnisse einer Umfrage zur Häufigkeit der Internetnutzung der über 60-Jährigen in Deutschland im Jahr 2015. Rund 21 Prozent der Befragten gaben an, das Internet mehrmals in der Woche zu nutzen.

Digitalisierung ist doch nichts für Oma!

Dabei bringt die Digitalisierung gerade für Senioren Lösungen, die ihnen den Alltag erleichtern können: Von Online-Banking über Lieferdienste bis hin zu Messenger-Apps.  Doch viele von ihnen sind mit dem Internet überfordert, verstehen die Funktionsweise nicht oder haben schlicht Angst. Das weiß auch Florain Wich vom Computer Club 50+ e. V. in Nürnberg. Seiner Erfahrung nach, haben Senioren vor allem große Vorbehalte bei Onlineaktivitäten, die mit Geld zu tun haben. Beim Onlinebanking oder dem Einkaufen im Internet sehen sie große Sicherheitslücken und haben Angst vor dem Diebstahl Ihrer Daten. Deshalb fällt, seiner Meinung nach, die Antwort auf die Frage „Nutzen Sie das Internet?“ oft negativ aus.

Doch der Trend, sich den digitalen Medien zu öffnen, macht laut Wich auch vor den Senioren nicht Halt. Seinen Beobachtungen nach, reduziert er sich zwar stark auf den einfachen Umgang mit den Smartphones, wie Bilder aufnehmen oder E-Mails lesen.  Dennoch gibt es immer mehr Senioren, die sich mit dem Smartphone beschäftigen und die Frage, ob sie das Internet nutzen, entschieden mit „Ja!“ beantworten können.

Nicht abhängen lassen

Von "abgehängt" kann bei vielen Senioren also keine Rede sein – denn auch bei ihnen wächst das Interesse an digitalen Themen.

Auch das diesjährige Nürnberg Digital Festival zeigte diesen Trend und animierte Senioren dazu, an der Digitalisierung teilzuhaben. So gab es sogar zwei Veranstaltungen, die ausschließlich für die Zielgruppe der Senioren ins Leben gerufen wurden. Hier wurden sie nicht nur mit offenen Armen empfangen, sondern bekamen auch Hilfestellung, damit es mit dem Smartphone in Zukunft noch besser klappt.

Der Computer Club 50+ Nürnberg e. V. (CCN) bietet regelmäßig verschiedenste Veranstaltungen rund um die Digitalisierung für die Generation über 50 Jahre an. Auch bei ihnen ist eine der gefragtesten Veranstaltungen ein Kurs für die Bedienung von Smartphones.

Das Interesse an Microsoft-Office-Kursen habe allerdings abgenommen:  Während der CCN im Jahr 2016 noch 290 Kurse mit rund 1.780 Teilnehmern durchgeführt hat, waren es ein Jahr später nur noch 260 Kurse mit rund 1.450 Teilnehmern. Bei den Grundkursen zum Thema Smartphone oder WhatsApp ist die Nachfrage laut Wich aber immer noch genauso hoch wie in den Jahren zuvor.

Warum sich immer mehr Senioren mit dem Smartphone beschäftigen? Darauf hat Wich auch eine Antwort: „Die kommunikativen Vorteile dieser Medienwelt überwiegen stark. Sie werden nicht zuletzt aufgrund einzelner ‚Zwangssituationen‘ aus dem familiären Umfeld bzw. des Freundeskreises auf die Senioren übertragen.“

Digitalisierung erfordert Arbeit

Ob und inwieweit Senioren nun abgehängt sind, ist wohl Interpretationssache. Sicher ist, es gibt sie beide: Die Senioren, die mit Smartphone und Internet nichts zu tun haben wollen und die Senioren, die sich vom Zeitgeist anstecken lassen. Für Wich und sein Team gilt als Credo, „einen gesellschaftspolitischen Beitrag zu leisten und der älteren Generation digitale Medien verständlich näher zu bringen“.

Digitalisierung erleichtert unseren Alltag, doch während viele von uns in eine digitale Gesellschaft hineingeboren wurden, muss so mancher erst lernen, was es bedeutet, „digital“ zu sein.