Schule zieht an der Lebensrealität vorbei

Kinder programmieren im CoderDojo

Die Welt wird digital. Die neue Generation besteht aus Digital Natives. Doch das Bildungssystem ist dem noch nicht gewachsen. Schulen scheinen mit der Situation überfordert zu sein. Häufig hört man Zweifel von Eltern und Lehrern bezüglich einer Digitalisierung des Unterrichts: „Kinder hängen sowieso nur noch am Smartphone. Sie verlernen das Lernen. Die Schule soll vor der technischen Welt schützen.“ Doch ist es wirklich so schlimm, wenn die Bildung mit der modernen Lebenswelt der Kinder übereinstimmt?  

Die Digitalisierung ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Laut der Bitkom Research 2018 besitzen 67% der Zehn- bis Elfjährigen bereits ein eigenes Smartphone und haben damit auch Zugang zum Internet. “Im Prinzip gibt es das Thema Digitalisierung für Kinder nicht”, meint Joschi Kuphal, Gründer der Web- und Werbeagentur tollwerk. “Digitalisierung ist für Kinder nichts, worüber man redet. Ihre Welt ist genauso.” Die jüngere Generation wird später Berufe erlernen, in denen sie technische Fertigkeiten brauchen. Sie werden in einer völlig digitalisierten Welt leben und sich darin zurechtfinden müssen. 

Sollten Eltern und Schulen nicht dafür sorgen, Kinder auf diese Zukunft vorzubereiten? In der Erziehung und Bildung wird den digitalen Technologien zu wenig Beachtung geschenkt. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung nutzen nur 15 Prozent der Lehrer digitale Lernformen im Unterricht. 81 Prozent der Lehrer und 88 Prozent der Schulleiter bedienen sich der Digitalisierung fast ausschließlich im administrativen Bereich. Dies stellt eine Schieflage dar, da sie nicht auf die Lebensrealität der Schüler eingehen.

Deutschland muss mehr in die digitale Bildung investieren. Lesen und schreiben sind Fähigkeiten, die natürlich analog bleiben und bewahrt werden müssen. Trotzdem brauchen wir Schulen und Organisationen, die den Schülern auch digitale Kompetenzen vermitteln. Laut Kuphal sollte das selbstverständlich sein und kann gar nicht früh genug anfangen. Medienkompetenz alleine reicht heute schon nicht mehr aus. Kinder müssen verstehen, wie die Welt funktioniert. Nur so besteht die Möglichkeit, dass sie ihren eigenen Platz in der neuen digitalen Gesellschaft finden.

Das Nürnberg Digital Festival sieht es als gesellschaftliche Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Kinder schon früh ein Gespür für die Funktionsweise digitaler Technologien erwerben. Sie will junge Menschen dazu befähigen, sich selbstbewusst in der digitalisierten Welt zu bewegen. Auf dem Festival gibt es deshalb viele Events für Kinder. 

So können Kinder beispielsweise im CoderDojo Nürnberg zusammen Programmieren lernen. “Es ist sehr wichtig, dass Kinder irgendwo einen Impuls bekommen, in was für eine Richtung sie gehen können und was es alles für Sachen gibt, die sie machen können” meint Alex Cio, ein Mentor des Dojos. “In Schulen passiert das zu wenig. Die Lehrer haben meistens selbst viel zu wenig Ahnung, weil sie nicht richtig geschult werden und sich an einen Lehrplan halten müssen. Der CoderDojo ist eine gute Möglichkeit, dass die Kinder mal einen Einblick bekommen und spielend neues Wissen erreichen.” Jetzt ist es an der Zeit, solche Formate in die Schulen zu bringen.