Nürnberg im Quadrat: Instagramer erobern die Stadt

Ob in Teenie-Cliquen oder bei Marketing-Verantwortlichen: Instagram ist derzeit in aller Munde. Das Netzwerk, das auf Bildern basiert und in dem Texte eine Nebenrolle spielen, ging im Jahr 2015 in Deutschland durch die Decke. Der beste Beweis dafür ist, dass inzwischen auch immer mehr Großstädte auf dem Netzwerk mitmischen, um die Vorzüge der eigenen Stadt optisch ansprechend in Szene zu setzen. Als Presse- und Informationsamt der Stadt Nürnberg sind wir seit Juni 2014 auf Instagram aktiv. Damit waren wir, wenn auch nicht die Ersten, so doch unter den Pionieren. Was wir recht schnell feststellten: Das Netzwerk besteht aus viel mehr als nur Selfies. Klar, die sind nach wie vor omnipräsent. Aber auf Instagram sind auch Hobbyfotografen jeden Alters unterwegs. Auch Profi- und Pressefotografen haben das Netzwerk für sich entdeckt. Kurzum: eine durchaus spannende Zielgruppe, die wir für uns auf dem Netzwerk vorgefunden haben.

@nuernberg_de mischt mit

Im Laufe der letzten 18 Monate hat sich herausgestellt, dass die Nürnberger Instagram-Community viel mehr als nur eine Zielgruppe ist. Wie auch in anderen Städten, hat sich in dieser Zeit eine wirkliche Gemeinschaft entwickelt: Man trifft sich zum Beispiel auf regelmäßigen Instameets unter dem Hashtag #igersmeetnürnberg, die teilweise von städtischer, teilweise von privater Seite organisiert sind. Auch die Ausstellung im Künstlerhaus, bei der 192 Bilder von Nürnberger Instagramern analog zu sehen waren, ging auf die Initiative der Community zurück. Was in Nürnberg anders ist als in den meisten anderen Großstädten? Dass die Stadt selbst in der Community so aktiv mitmischt. Wir posten nicht nur Hochglanz-Bilder für das Tourimus-Marketing, sondern versuchen die Vielfalt unserer Stadt abzubilden – vom Sandstein bis zur vermeintlichen Bausünde. Wenn der Treppenhausfreitag als Hashtag angesagt ist, gehen wir genau wie die Community auf die Jagd nach spannenden und hübschen Treppenhäusern in der Stadt. Außerdem verfolgen wir sehr aufmerksam, was auf dem Netzwerk passiert und interagieren mit den Leuten. Im Redaktionsteam von @nuernberg_de sind auch privat inzwischen alle bei Instagram, weil es ein Medium ist, das einfach Spaß macht.

Die Nürnberger Instagram-Community

Was Instagram aber von anderen sozialen Netzwerken besonders unterscheidet ist, dass die Interaktion nicht nur auf der Plattform stattfindet. Bei den #igersmeetnürnberg kommen teilweise 30 oder mehr Instagramer zusammen, um gemeinsam Orte wie das alte Volksbad, das AEG-Gelände oder das ehemalige Quelle-Versandzentrum zu erforschen. Das macht nicht nur Spaß, dabei entstehen auch Freundschaften. Und natürlich neue Ideen, die man gemeinsam entwickelt. 

Die besten Bilder der Nürnberger Instagram-Community gibt es im Community-Kanal @igers_nuernberg!


So kam es letztlich auch zu der Ausstellung, die im Oktober 2015 zwei Wochen lang im Künstlerhaus zu sehen war. Das Presseamt der Stadt Nürnberg trat zwar als Veranstalter auf, die Ideen und Umsetzung haben wir aber gemeinsam mit einigen besonders aktiven Igers entwickelt. Mit zwölf verschiedenen Hashtags von #goho über #nbg_streetmoments und #welovepegnitzpfeile bis hin zum allseits beliebten #tourismusknecht war alles dabei. Das faszinierte denn auch viele der Besucher, vor allem aus älteren Generationen: Wie vielfältig das Schaffen der lokalen Instagram-Community doch ist, wurde besonders häufig betont. Mit neuen Aktionen wie dem monatlichen Nürnberger Hashtag-Projekt ermuntern wir die Community seit Dezember, einen thematisch fokussierten Blick auf die Stadt zu werfen. Langweilig wird es nicht, denn zusammen mit der Community entstehen immer wieder gute Ideen, wie man die tolle Arbeit der Nürnberger Igers und die Stadt selbst noch besser präsentieren kann. Pläne für eine zweite Ausstellung in diesem Jahr gibt es schon. Und die nächsten Instagram-Treffen sind auch in Planung.

Wir leben nicht mehr im Mittelalter!

Aber warum sollte eine Stadt überhaupt auf Instagram aktiv sein? Ganz klar: Wir leben nicht mehr im Mittelalter, auch wenn Nürnberg an einigen besonders schönen Ecken fast noch so aussieht. Um die Bürger mit den eigenen Inhalten zu erreichen, muss auch eine Stadtverwaltung dahin, wo diese sich tummeln. Und in vielen Altersgruppen ist das eben nicht mehr unbedingt die Zeitung, sondern die sozialen Netzwerke. Und um am Stadtbild zu „feilen“, ist eine Bildplattform wie Instagram natürlich die erste Wahl.
Johannes Barthel ist seit 2013 bei der Stadt Nürnberg im Online-Büro des Presse- und Informationsamts. Er ist dort vor allem für die zentrale Koordination der Social Media-Aktivitäten zuständig und arbeitet redaktionell an den zentralen Kanälen des Online-Büros. Text: Johannes Barthel / Stadt Nürnberg