"Netzwerken heißt Freundschaften schließen"

Projektin ist DIE Konferenz für Gründer*innen, Selbstständige und Unternehmer*innen. Am 6. April findet sie zum dritten Mal in Nürnberg statt. Weshalb sich ein Besuch wie beim Klassentreffen anfühlt, wie man spannende Speaker*innen “klarmacht” und was erfolgreiches Netzwerken bedeutet, verraten uns die Initiatorinnen Tina Langheinrich und Aliza Charoensri.

Was ist Projektin und wieso sollte ich hingehen?

Tina: Projektin sind zwei Sachen: Einmal ist Projektin ein Netzwerk für Unternehmer*innen aus der Metropolregion mit einer Facebook-Gruppe, die wir regelmäßig  bespielen. Andererseits ist Projektin eine große Konferenz. Die findet dieses Jahr zum dritten Mal im April statt. Ein Teil von Projektin sollte man auf jeden Fall sein, wenn man Lust hat, spannende Unternehmer*innen kennenzulernen und sich zu vernetzen. Auf die Konferenz sollte man auch gehen, weil da natürlich nochmal viel mehr Leute unterwegs sind. Wir haben ja nicht nur Speakerinnen, sondern auch Teilnehmer*innen aus ganz Deutschland. Das heißt, man lernt Leute kennen, die man sonst vielleicht nicht trifft. Das ist eine einmalige Gelegenheit. Und natürlich das Wissen, das unsere Expertinnen vermitteln.

Aliza: Für die wiederkehrenden Gäste ist es auch wie eine Art Klassentreffen – also für die, die schon seit zwei, drei Jahren dabei sind. Die kommen immer wieder zur Konferenz und treffen sich dort.

Bei euch stehen nur Frauen auf der Bühne. Wieso gibt es eurer Meinung nach immer noch mehr Unternehmer als Unternehmerinnen?

Tina: Das ist einfach strukturell bedingt. Frauen sind ja auch weniger berufstätig als Männer und arbeiten öfter in Teilzeit. Frauen kriegen immer noch die Kinder. Die “Care-Arbeit” fällt immer noch den Frauen zu. Dann ist es einfach schwieriger, die Selbstständigkeit im Alltag unterzubringen. Aber die Rolle der Männer ändert sich: Es ist nicht mehr so, dass der Mann der Versorger ist. Mit einer fortschreitenden Gleichberechtigung übernehmen auch Männer die Aufgaben, die klassischerweise den Frauen zufallen. Damit ist die Chance für Frauen da, ihre berufliche Leidenschaft genauso zu leben wie Männer.

Wie kommt ihr zu den Speakerinnen und tretet mit ihnen in Kontakt?

Aliza: Das ist ganz unterschiedlich – von einer Anfrage über Instagram bis hin zur letzten Konferenz, auf der wir gleich drei Speakerinnen von der Bühne weg “klar gemacht” haben, weil wir sie gut fanden.

Tina: Der persönliche Kontakt ist mittlerweile am wichtigsten. Im ersten Jahr haben wir noch im Internet nach tollen Frauen gesucht und die dann einfach angeschrieben und angerufen. Mittlerweile müssen wir das nicht mehr. Sie kommen entweder von selbst auf uns zu oder wir sehen oder kennen sie.

Ihr zwei seid beide Unternehmerinnen – und man hat das Gefühl, dass ihr "überall" mitmischt. Wie schafft ihr es, alles unter einen Hut zu bringen und wie sieht eure Zusammenarbeit aus?

Tina: Ja, das ist kompliziert. Wir sehen uns eigentlich persönlich relativ selten und wickeln sehr viel digital ab. Wir nutzen Slack und Trello für die Zusammenarbeit und Organisation und dann haben wir ein wöchentliches Telefongespräch. Das machen wir abends, wenn die Kinder schlafen.

Wie  wichtig sind Netzwerke – digital und analog – für euren Job?

Tina: Ich finde es bringt nichts, wenn du auf Xing 1.500 Kontakte hast, weil der persönliche Kontakt und die persönliche Verbindung sind eigentlich viel wichtiger. Deswegen legen wir das Leuten auch immer nahe, die zum Beispiel bei uns in der Unternehmer*innen-Gruppe sind. Wir sagen immer: Kommt zu den Treffen. Die ganze Digitalisierung in Ehren, die unterstützt mich dabei, mein Netzwerk zu organisieren, aber mein Netzwerk ist nicht digital. Mein Netzwerk ist immer noch das, was ich persönlich in meinen Alltag lebe.

Wie habt ihr es geschafft, euch ein Netzwerk aufzubauen?

Aliza: Also ich hatte einfach keine andere Möglichkeit. Ich bin erst vor vier Jahren nach Nürnberg gekommen. Also musste ich mir ein neues Netzwerk aufbauen und das hat jetzt auch ganz gut geklappt. Tina und ich kennen sehr viele Leute in Nürnberg. Wir kommen ja beide ursprünglich aus der Gastro, da kennen wir wirklich jede*n Einzelne*n. Jetzt sind wir ja bisschen auf einer anderen Schiene unterwegs, weg von der Gastro, und durch diese Facebook-Gruppe mit den 800 Teilnehmer*innen sind wir ganz gut vernetzt.

Tina: Dadurch, dass Aliza Veranstaltungen organisiert hat und ich auf vielen Veranstaltungen war, lernst du ja Leute kennen. So ein Netzwerk ist schon viel Arbeit. Es hat auch gedauert, sich das aufzubauen. Das muss man sich, glaube ich, auch mal bewusst machen, was es heißt, sich ein Netzwerk aufzubauen. Es bringt nichts, wenn du nur auf Veranstaltungen gehst, bei denen du denkst, dass die richtigen Leute unterwegs sind und dann stehst du rum mit deinem Glas Sekt. Du brauchst schon eine gewisse Verbindung zu den Leuten. Das ist Arbeit und braucht auch Zeit. Ein Netzwerk ist nichts anderes als Freundschaften schließen. Beziehungsarbeit.

Habt ihr einen Tipp, was man beim Netzwerken beachten sollte? 

Aliza: Also ich netzwerke nicht gerne.

Tina: Haha, das muss ich dann immer machen. Also man muss sich trauen. Ich denke, man sollte keine Angst haben und man sollte nicht mit dem Gedanken reingehen: Was habe ich von der anderen Person? Wenn ich so reingehe, das ist der große Fehler. Ich finde, man sollte einfach reingehen, weil man Spaß an der Sache haben möchte, weil man neue Leute kennenlernen möchte, weil man neue Impulse für sich selber möchte.

 Was verbindet euch mit dem Nürnberg Digital Festival und der #nuedigital Community?

Tina: Wir sind auf der Bühne. Seit 2017 haben wir mit Projektin immer ein Event, auch dieses Jahr wieder. Ich halte auch alleine ab und zu Vorträge. Außerdem organisiere ich die Social Media Night. Was verbindet uns mit der Community? Wir haben ja selber eine Community und da gibt es ziemlich viele Überschneidungen. Das heißt, wenn wir unterwegs sind, treffen wir eigentlich auch immer jemanden vom Festival und umgekehrt. Leute vom Digital Festival interessieren sich für die Themen von Projektin. Das ist eigentlich eine schöne Ergänzung.

 Wo lasst ihr euch – abgesehen vom Festival – inspirieren?

Aliza: Also wir schauen uns das ganze Jahr über Events an. Gucken natürlich auch was machen die gut, was machen die nicht gut. Welche Speaker*innen haben die auf der Bühne? Welche Formate führen die? Es ist natürlich wichtig, dass man sich da immer weiterbildet. Zusätzlich beobachten wir auch das Marketing vorab. Welche Marketingmaßnahmen nutzen die? Haben die gegriffen oder nicht? Das kann man von außen ganz gut beobachten.

Tina: Wir waren zum Beispiel auf der herCAREER Aliza war beim Female Future  Force Day in Berlin. Dann sind wir in Nürnberg unterwegs: . Ich schaue, dass ich es ab und zu auf den Creative Monday schaffe. Oder zu Events in den Design Offices, weil wir mit Christina Burkhardt von der Shiftschool viel zu tun haben. 12min.me – da stand ich selbstschon auf der Bühne. Das sind alles Veranstaltungen, die es unterm Jahr in Nürnberg gibt. Da schauen wir schon, dass wir uns auch ab und zu sehen lassen, weil da ist unser Netzwerk unterwegs, da sind die Leute vom Festival unterwegs. Also Abende mit Freunden – aber mit Sinn, weil man ja meistens auch etwas mitnimmt.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft von Projektin?

Aliza: Es soll DIE Best-Practice-Konferenz für Unternehmerinnen in Deutschland werden.

Tina: Ja das ist unser Wunsch, dass wir uns als feste Größe etablieren, dass wir noch mehr Leute aus ganz Deutschland anziehen und dass auch Unternehmer zu uns kommen. Momentan ist es so, dass viele das ein bisschen missverstehen und denken das ist so ein Frauending. Das einzig Weibliche bei uns ist, dass nur Frauen auf der Bühne stehen. Die Inhalte, die transportiert werden, sind überhaupt nicht weiblich. Das sind echte Tipps für das Business. Da ist es egal, wer im Publikum sitzt, ob das ein Mann oder eine Frau ist. Wir würden uns eigentlich wünschen für die Zukunft, dass unser Publikum auch irgendwann 50:50 besetzt ist.

 

Alle Infos zu Projektin am 6. April im PARKS, Nürnberg unter: www.projektin.de