Internet für Flüchtlingsunterkünfte

CC-BY-SA 3.0 by Freifunk-Franken
CC-BY-SA 3.0 by Freifunk-Franken

Freifunk Initiative ermöglicht kostenfreies WLAN

Was würden wir mitnehmen, wenn wir fluchtartig das Land verlassen müssten? Klar! Unser Smartphone!
Genauso natürlich auch die Flüchtlinge, die in letzter Zeit vermehrt in Deutschland ankommen. Gerade auch für Flüchtlinge ist deshalb ein Internetzugang besonders wichtig: Per Internet informieren sie sich über die Lage in ihrem Heimatland, halten Kontakt zur Familie, finden wichtige Informationen zum Asylantrag oder nutzen Übersetzungsprogramme. Viele haben nur noch die Kleider am Leib und ein Smartphone samt Ladekabel.
Fragt man die Bewohner in den Unterkünften, was ihnen am wichtigsten ist, so wird häufig Zugang zum Internet noch vor neuer Kleidung genannt. Das liegt auch daran, dass Asylbewerber nicht arbeiten dürfen und so ihr Smartphone (noch mehr als wir) zum wichtigen Zeitvertreib nutzen. Kommunale wie private Betreiber von Flüchtlingsunterkünften scheuen sich jedoch davor Internetanschlüsse zu beantragen und die Haftung dafür zu übernehmen. Auch sind die WLAN-Angebote kommerzieller Anbieter wie der Telekom für solche Einrichtungen oft unerschwinglich. Für die Politik ist das Thema #Neuland und wird weiterhin großteils ignoriert.

Was ist mit der Haftung? 

Wie auch an sehr vielen anderen Orten in Deutschland haben sich auch in Franken die Freifunker des Problems angenommen. Die größte Hilfe ist dabei die Umgehung der Störerhaftung, wie das auch professionelle Anbieter anbieten: Der Datenverkehr wird nicht direkt am DSL-Anschluss ins Internet geleitet, sondern über einen VPN-Tunnel zu Gateway-Servern umgeleitet, die von einem Freifunk-Provider-Verein betrieben werden oder im benachbarten europäischen Ausland stehen, wo das (überholte) Rechtskonstrukt der Störerhaftung für Internetanbieter nicht existiert. Die in den Unterkünften aufgestellten Freifunk Knoten (handelsübliche Lowcost-Router mit spezieller Freifunk Firmware) bauen nicht nur automatisch die VPN-Tunnel zu den Gateway-Servern auf, sondern vermaschen sich auch untereinander über Funk. Dadurch lässt sich das Internet ohne viel Installationsaufwand in verschiedene Geschosse und Räume bringen. Auf diese Weise lassen sich auch ganze Wohnblöcke und Straßenzüge vernetzen ohne Kabel ziehen zu müssen. Die Daten finden dabei automatisch den schnellsten Weg durch das komplexe Maschen-Netzwerk.

Bandbreite teilen

Trotzdem scheitert es in vielen Fällen schon an der Beantragung eines normalen DSL-Anschlusses wegen der komplexen Gemengelage zwischen Regierung/Kommune, Besitzer, Betreiber und Hilfs-Vereinen. Doch auch hier hilft die Freifunk Technik. Über Richtfunk können sich freundliche Nachbarn mit den Routern der Flüchtlingsunterkünfte vermaschen und ihre ungenutzte Bandbreite mit den Geflüchteten teilen. Falls keine Freifunker in der direkten Nachbarschaft wohnen oder kein ausreichend schnelles Internet zu bekommen ist, wagen sich Mitglieder der Freifunk Initiative auch an aufwändigere Installationen: So wurde im Februar eine große Erstaufnahmeeinrichtung in Fürth-Ronhof (300-900 Bewohner) über mehrere 5GHz Relay-Stationen, die zum Teil auf Kirchtürmen montiert sind, angebunden. Dort surfen seitdem hunderte Bewohner gleichzeitig und auch ein kleiner Computerraum steht nun zur Verfügung. Da spezielle Hardware heute recht günstig ist und die Installationen ehrenamtlich erfolgen, fallen nennenswerte Kosten nur für schnelle Internet-Anschlüsse und Servermiete an. Ein funktionierendes Modell: In Franken konnten Freifunker so schon über 60 Unterkünfte mit Internet versorgen. Da Flüchtlinge (als Power-User) mittlerweile für einen nicht unerheblichen Teil des Datenverkehrs im Freifunknetz verantwortlich sind, gibt es auch eine Variante der Router-Firmware, die speziell für diesen Zweck gesponserte Gateways verwendet. Hier fallen bereits jetzt Datenmengen im Bereich von Terabytes pro Tag an. Die Vorteile von Freifunk, nicht nur in der Vernetzung von Flüchtlingseinrichtungen, hat jüngst auch der Stadtrat von Erlangen erkannt und den Weg für ein Stadt-weites Freifunk-Netz geebnet. Jeder kann sich an dem Aufbau einer kostenlosen, anonymen und flächendeckenden Netzinfrastruktur beteiligen, wobei nun auch öffentliche Gebäude wichtige Knotenpunkte bilden können. Ob man nun einfach den Flüchtlingen helfen möchte, den öffentlichen Netzausbau in Bayern vorantreiben will oder sich an Soft- und Firmware-Entwicklung beteiligen möchte, Freifunk bietet viele Möglichkeiten sich einzubringen und Spaß zu haben. Ein Leben ohne Internet ist für viele von uns nicht mehr vorstellbar. Mach mit und hilf ein freies, öffentliches Netz in Nutzerhand aufzubauen, das man nicht einfach mal schnell abschalten oder zensieren kann! Internet ist einfach zu wichtig um es komplett der Wirtschaft zu überlassen! Mehr Informationen unter: https://wiki.freifunk-franken.de/w/FreifunkFuerFluechtlinksunterkuenfte 
Mach mit unter: https://wiki.freifunk-franken.de/w/Mitmachen