Fit für die Zukunft: Kinder und die Digitalisierung

Reger Betrieb im CoderDojo in Nürnberg

„Digitalisierung entscheidet darüber, ob du eine 1 oder eine 0 bist.“ Dieser Satz steht in den Räumen des CoderDojo Nürnberg. Er verdeutlicht die Aktualität des Themas Digitalisierung. Wie werden unsere Kinder fit für die Zukunft gemacht? Wie viel Technik ist gut für sie? Und ist Digitalisierung für Kinder überhaupt etwas Außergewöhnliches? Das Nürnberg Digital Festival gab Antworten.

Es herrscht reger Betrieb in der Nürnberger Klingenhofstraße. Viele Kinder sind wieder zum CoderDojo gekommen, um gemeinsam zu programmieren. Die Köpfe rauchen, einige Kinder entwickeln Spiele, andere bauen Roboter aus Lego. Mitten im Getümmel steht Joschi Kuphal, Vorsitzender des Vereins CoderDojoNürnberg e.V. „Digitalisierung gibt es für Kinder nicht“, sagt er.

Das gemeinsame Programmieren bringt die Kinder zusammen – das wird schnell klar: Unabhängig von Geschlecht, Alter oder Wissensstand arbeiten die Kinder an verschiedenen Projekten. Das CoderDojo leistet außerdem einen Beitrag zur Integration. Julian Dreykorn und Dennis Helbig sind sehbehindert. Sie kommen regelmäßig in den Club und programmieren gemeinsam. „Behinderte sind noch mehr aufs Internet angewiesen als wir“, erklärt Kuphal. Wie wichtig es ist, beeinträchtigten Menschen die Möglichkeit zu geben, das Internet zu nutzen, weiß Karl Groves: „Entwickler müssen ihre Programme behindertengerecht zugänglich machen“, erklärt Groves, der als Berater Unternehmen in Sachen digitaler Barrierefreiheit fit macht. Laut ihm helfe es schon sehr, wenn man das Programm komplett mit der Tastatur steuern könne. Dennis Helbig hat etwa eine Blindentastatur im Dojo dabei.

Was Dennis und die anderen Kinder im CoderDojo entwickelt haben, zeigt die Slideshow:

Von Robotern, Filmen und großen Programmier-Ambitionen

Im Nürnberger CoderDojo wird Kindern und Jugendlichen spielerisch das Programmieren beigebracht. Wer ins Dojo kommt, darf sich Themen aussuchen, die er oder sie sich den Tag über widmen. Eine Auswahl an Projekten der jungen Programmier-Cracks.

Für Kinder ist der Umgang mit Computer und Co. selbstverständlich, wie der Branchenverband Bitkom herausgefunden hat:

#nuedigital Kinder und Digitalisierung

„Eigentlich müsste das alles hier in der Schule passieren“, meint Joschi Kuphal und spricht damit eines der umstrittensten Themen der Digitalisierung an: Wie kann Kindern und Jugendlichen der digitale Wandel am besten nähergebracht werden? Die Schulen selbst sind oftmals nur unzureichend digital ausgestattet. Ein Kommentar von Anna Neubauer:

Schule zieht an der Lebensrealität vorbei

Die Schulen werden im Rahmen des Digital Festivals ebenfalls angesprochen: In der Erlanger Stadtbibliothek werden Workshops für Schulen angeboten. Die Schüler können unter anderem Virtual-Reality-Brillen ausprobieren. Im Gespräch mit den begleitenden Lehrern werden auch hier Defizite deutlich: „Wir müssen die Schüler ertüchtigen für das Leben im 21. Jahrhundert“, sagt Christine Plötz-Djawadi, die an der Hermann-Hedenus-Mittelschule im Erlanger Westen unterrichtet. Sie kreidet die Bürokratie im Umgang mit der digitalen Infrastruktur an: Gehe etwas kaputt, müsse immer erst der kommunale IT-Dienstleister zur Reparatur in die Schule kommen – und das, obwohl qualifizierte Lehrkräfte vorhanden seien. Plötz-Djawadis Kollege Florian Kühn sieht noch deutlichen Aufholbedarf an den Mittelschulen: „Ich würde mir wünschen, dass an den Mittelschulen der digitale Standard in den Klassenzimmern gehoben wird.“ In Gymnasien gebe es beispielsweise deutlich mehr Whiteboards und neuere PCs. Im Video erklärt Joschi Kuphal seine Zukunftsvision der digitalen Schule:

Bis diese Vision Realität wird, scheint noch einige Zeit zu vergehen. Nur zehn Prozent der Lehrer nutzen digitale Medien im Unterricht:

#nuedigital Digitalisierung und Schule

„Kinder sind neugierig und gehen anders an die Sache ran“, erklärt Rüdiger Kunstfeld, der den VR-Stand in der Erlanger Bibliothek betreibt. Für Kinder läuft die Berührung mit der Digitalisierung außerdem spielerisch ab, wie auch eine Umfrage bei den Kindern im CoderDojo zeigt:

Autoren: Fabiane Hörmann, Julian Hörndlein, Anna Neubauer, Tim Rakisits