Digitale Nomaden

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Menschen, die Reisen und Arbeit im digitalen Umfeld verbinden, werden als Digitale Nomaden bezeichnet. Die Reise ist dabei Lebensbestandteil und die Arbeit als wirtschaftliche Lebensgrundlage immer dabei. Digitale Nomaden lieben es an verschiedenen Plätzen weltweit zu verweilen und ungebunden zu sein.

Während meiner Recherche zu diesem Artikel haben sich vier Typen an Nomaden aufgetan: der Hardcorenomade, der Teilzeitnomade, der Neunomade und der Nomaden-Host.

Der Hardcorenomade

Silke Vogel ist Hardcorenomadin. Sie ist als selbständige Designerin (el-vogel.de) hauptsächlich im  Ausland unterwegs und bekommt ihre Aufträge in der Zwischenzeit auch aus der internationalen Nomadenszene, vornehmlich aber aus Deutschland. Den Weg nach Deutschland findet sie zu Events, Barcamps oder einfach mal, um Freunde zu besuchen. Ansonsten verweilt sie gerne in Thailand und holt sich Tipps von anderen Nomaden für schöne Plätze. Sie liebt die Unabhängigkeit, die mit ihrer Lebensweise einhergeht. Gleichzeitig bilden sich für sie neue, internationale Freundschaften, die sie per Zufall oder gezielt in einer beliebigen Location rund um den Globus pflegt. Ein sesshaftes Leben mit einem 9-to-5-Job in einem festen Büro könnte sich Silke nicht mehr vorstellen.

Ähnlich ergeht es Ralf Wiechers, der fest in der internationalen WordPress Community vernetzt ist und als @drivingralle auf den Sozialen Netzwerken zu finden ist. Zu Beginn des Nomadentums hat er einen eigenen Blog erstellt, den er sporadisch noch pflegt: drivingralle.de. Er ist allerdings öfter mal in seiner Heimat Deutschland unterwegs als Silke. Ralf ist Entwickler und hat feste Kunden aus Deutschland und der Welt. Zum Teil besucht er die Kunden, zum Teil sind Freunde und Familie der Grund für eine Rückkehr in sein Heimatland. Als digitaler Nomade will er sich selber eigentlich gar nicht bezeichnen, denn oftmals wird der Begriff mit Bloggern am Strand verbunden, die keinerlei festen Tagesrhythmus haben. Für Ralf Wiechers ist es schlichtweg das Höchste, nach getaner Arbeit noch einmal schnell auf sein Board in die Wellen zu hüpfen, was in Deutschland an der Nordsee nicht ganz so zuverlässig möglich ist wie in anderen Bereichen dieser Welt.

Der Teilzeitnomade

Der Teilzeitnomade ist noch nicht ganz seinem Leben mit festem Wohnsitz entronnen und macht sicher einen Großteil der Nomaden aus. Teilzeitnomaden genießen die Sicherheit einer eigenen Wohnung und damit die Gewissheit, dass es ein Zuhause gibt. Patrick Jungbluth aus Berlin ist so einer. Mit seiner Frau Susanne reist er unendlich gerne und achtet dabei immer darauf, dass die Ziele WLAN-Versorgung haben. Seine Frau ist es seit jeher gewohnt, dass Patrick während der Reise seine Arbeit mitnimmt. Er ist Webentwickler mit seiner Agentur eniky.net. Seine Kunden bekommen kaum mit, wenn er unterwegs ist. Das Telefon ist weitergeleitet, E-Mails empfängt man ohnehin überall und als Webentwickler sind Kundenbesuche selten nötig. Susanne hat sich das Hobby in der Zwischenzeit zum Beruf gemacht und ist u.a. Reisebloggerin. Mit vonortzuort.reisen lässt sie uns alle an den Reisen teilhaben. Die Jungbluths reisen drei- bis viermal im Jahr und sind dann zwischen einer Woche und einem Monat unterwegs. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Reisen Stück für Stück weiter auszudehnen und vielleicht sogar mal ein halbes Jahr unterwegs zu sein.

Der Neunomade

Der Neunomade ist noch nicht unterwegs, träumt aber schon lange davon. Manch einer ist mit seinen Vorbereitungen fast fertig und der Zeitpunkt ist auch schon gesetzt. Benjamin Damn hat diese Vorstellung und wird sich bald aufmachen und durch die Welt ziehen. Er ist verheiratet und der Impuls zum Loslassen des bisherigen Lebens kam von seiner Frau. Initialzündung für die Reise wird eine Konferenz der Szene in Bali sein, wann Benjamin und seine Frau zurückkommen ist noch völlig offen. Die Wohnung in Nürnberg behalten sie wohl vorläufig und über Aufträge machen sie sich nicht zu viele Gedanken, das wird schon laufen.

Der Host und Coliving

Nomaden finden weltweit Coworkings, also Arbeitsplätze, die temporär gemietet werden können. Daneben gibt es auch Colivings, die von einem Host (Herbergsvater) geleitet werden. Nicht selten war der Host ebenfalls Nomade, der die Bedürfnisse und Ansprüche kennt. Coliving bedeutet eine Art neuer Jugendherbergsbewegung. Die Herbergen sind aber völlig privat organisiert und haben zwingend Arbeitsmöglichkeiten, also Coworkings angeschlossen.

Daniel Göbel hat dieses Konzept auf Malta umgesetzt. Die Insel ist eh Sehnsuchtsziel vieler Menschen und als temporäre Heimat ein Traum. In einem wunderschönen alten Haus, mitten in der Altstadt von Birgu hat er einen internationalen Treffpunkt für Nomaden geschaffen. Der Cocohub, wie er das Haus nennt, kann für wenig Geld gemietet werden und bietet einen Ruhe-Arbeitsraum, super gesellige Aufenthaltsräume und Privatsphäre. Daniel hat das Haus mit seiner Freundin Paula aus Regensburg aufgezogen und kümmert sich um die Bedürfnisse der Mitbewohner. Es ist ständig was los und Daniel und Co. organisieren immer wieder spannende Events. Zu finden ist der Cocohub in Facebook, Instagram und natürlich hat er eine eigene Website cocohub.io Aktuell sind weitere Hubs in Planung, spruchreif ist bereits ein Coliving in Goa, Indien, das 2019 an den Start gehen soll.

Wer Colivings sucht, wird hier fündig:
Weltweit: cowoli.com
Europa: medium.com/future-of-work/top-10-coliving-spaces-in-europe-8521bfea5ecf

Die Community der Digitalen Nomaden

Und sonst so? Die Welt der Digitalen Nomaden ist eine kleine. Die Community kennt sich und wer einmal in der Community vernetzt ist, lebt virtuell unter Gleichgesinnten. Es gibt in der Zwischenzeit ganze Festivals und Konferenzen rund um das Thema. Wer selber reisen möchte, dem lege ich ein paar Links ans Herz um sich in die Community einzuklinken:

Vernetzung in der Community: wirelesslife.de/digitale-nomaden-finden 
Informationen zum Leben als digitaler Nomade: digitalenomaden.net