Digital um die Welt ziehen – blickt noch jemand durch?

In der heutigen Zeit wollen wir mehr von der Welt sehen. Wir reisen immer häufiger und informieren uns zunehmend in digitalen Kanälen. Doch wie geht man es richtig an? Geben Apps und Portale wirklich die besten Tipps oder verlässt man sich besser auf die Ratschläge von Menschen, denen man begegnet? Andrea Ghisu ist der Sache auf den Grund gegangen.

Wir leben in einer Zeit, die uns mehr als je zuvor erlaubt, so oft und so weit wie wir es uns wünschen, unterwegs zu sein. Das wissen wir auch auszunutzen, denn wir erkunden die ganze Welt. 

Immer wieder mal ein City Trip oder sogar eine Weltumrundung, wenn es uns danach ist. Geschäftlich müssen wir ja mittlerweile sowieso bis ans Ende der Welt und die Digitalen Nomaden haben daraus sogar ein Lebensmodell entwickelt. In den jungen Jahren sollen wir Erfahrungen in der Ferne sammeln. Wir studieren und promovieren in anderen Ländern. Oft finden wir unser Glück einfach anderswo und bleiben dann dort.

Durch die Globalisierung unserer Gesellschaft, das Internet und die neuen Medien sind wir mehr als je zuvor miteinander und mit der Welt vernetzt.

Wie ist der Status Quo in der Tourismusbranche?

Die Herausforderungen der digitalen Transformation zwingen die Tourismusindustrie, aber auch die disruptiven Serviceanbieter, sich kontinuierlich zu verbessern. Mehr als je zuvor werden Lösungen für das moderne Reisen gesucht. Man spricht zum Beispiel von Customer Centricity, Storytelling und Customer Experience für die richtige Strategie.

Travelport, eines der weltweit größten Tech-Unternehmen im Bereich Reisen veröffentlichte im November 2017 The Global Digital Traveler Research. Dieser zeigt, dass wir sehr viel Zeit damit verbringen, eine Reise zu planen. Das geschieht über mehrere Geräte und eine zweistellige Anzahl unterschiedlicher Plattformen und Apps. 

Diese Tools benutzen wir vor der Reise, während der Reise und auch danach. Es gibt Tausende davon und oft verwirren und frustrieren das Angebot und die Suche mehr, als dass sie helfen. Dieses Gefühl kennen schon viele von uns. Laut der oben genannten Studie wünschen sich die meisten am liebsten eine einzige Quelle, die sie kennt und personalisierte Empfehlungen und Tipps liefert.

In meiner oder deiner City – das ist egal

Wenn man zu Hause etwas unternehmen möchte, weiß man auf welchen Plattformen man sich informieren oder buchen kann. Das Onlinemagazin Curt ist uns beispielsweise allen hier in der Gegend ein Begriff. Aber selbst da passieren sehr viele spannende Dinge außerhalb des bekannten Bereichs. Immer öfter höre ich auch zu Hause die Leute tief seufzen, wenn es darum geht die richtige App oder Plattform zu finden. 

Selbst in der eigenen Stadt erfährt man die interessantesten Sachen meistens über andere Menschen. Es sind die Menschen, mit denen man befreundet und vernetzt ist, die uns die Informationen persönlich weitergeben oder durch das Liken und Posten im gemeinsamen Netzwerk mit uns teilen. 

In einem fremden Land ist es dann nicht unbedingt einfach, an die passenden Informationen zu kommen. Andere Kulturen ticken anders, haben eine andere Herangehensweise, andere Präferenzen und Bedürfnisse oder schlichtweg andere Gesetze. Damit gilt es sich zuerst einmal anzufreunden. Dann muss man sich durchklicken und hoffen, Gutes zu finden. 

Über die üblichen und bekanntesten Plattformen, wie Trip Advisor, bekommt man die gängigsten Informationen. Aber das ist ja noch lange nicht alles, was wir brauchen. Gezwungenermaßen stecken wir sehr viel Zeit in die Suche und nur dem Probieren zuliebe ist man nicht unbedingt bereit, auch noch Geld dafür auszugeben.

Die Aufforderung „don’t be a tourist“ ist  aus unterschiedlichsten Ecken der Welt deutlich zu hören – und das spätestens seitdem vor ein paar Jahren der Blog dontbeatouristinbarcelona.tumblr.com ins Leben gerufen wurde. Die Message sollte mittlerweile angekommen sein.

Heute ist man ein citizen of the world.Man ist Entdecker*in, Gast und in der Welt zu Hause. Wenn man sich das Leben leichter machen möchte, sind die Erfahrungen anderer citizens of the world, ihre Storys und Ratschläge die besten Wegweiser. Diese spannenden Erlebnisse sollten besser erforscht und dokumentiert werden, um andere zu unterstützen, gar zu inspirieren.

Was erfährt man denn von anderen Reisenden?

Das, was an einem anderen Ort selbstverständlich ist, kann sich im eigenen Umfeld als totales Novum herausstellen und andersrum. Diese Theorie bestätigt sich auch für die digitalen Tools und Trends.

In Schweden beispielsweise bezahlt man fast ausschließlich digital. Das Leben in China wird von WeChat bestimmt. In jedem Bus in Vietnam hat man WiFi. In den Fjorden Norwegens läuft der Sprachguide über das eigene Handy. Wer in Brasilien mit Uberfährt, bekommt vom Fahrer Süßigkeiten. Im Atelier des Lumières in Paris kann man seit einem Jahr regelrecht in die digitalen Videoprojektionen berühmter Meisterwerke eintauchen.  Mit TransferWise kann man sehr günstig Geld ins Ausland überweisen. Die Briefpost kann man von CAYA digitalisieren und sich per E-Mail schicken lassen, wenn man mal länger weg ist. Für Berlin gibt es seit ein paar Jahren im World Wide Web eine U-Bahn Bar Map. Wenn Uber gerade nicht verfügbar ist, sollte man in den asiatischen Ländern auf die Alternative Grab zugreifen oder umgekehrt. In Neuseeland sollte man wissen, dass man öffentlichen Zugang zu WiFi auf jeden Fall in der Bibliothek hat.  Und was brauche ich unbedingt für das Burning Man Festival mitten in der Wüste Nevadas?

Man sagt nicht umsonst „andere Länder, andere Sitten“. In Zeiten der Globalisierung und Skalierung scheinen die Unterschiede immer geringer zu werden. Bei  genauerem Hinsehen wird klar, dass es sie trotzdem gibt. Es gibt Unterschiede und Präferenzen bei der Anwendung der digitalen Möglichkeiten in den verschiedenen Ländern, Kulturen oder Gruppen. Das macht neugierig, bedarf aber auch der Recherche.

Was kann man voneinander lernen? Was funktioniert wo auf der Welt? Wie kommt man an die interessanten Informationen in diesem Berg an Daten, der uns zur Verfügung steht? Was daraus braucht man tatsächlich oder gar unbedingt für die nächste Reise? Und was kann schiefgehen?

Reisende haben die Antwort. Reisende haben die wertvollen Tipps. Jede*r von uns hat  Vorlieben und Bedürfnisse und jede Reise hat ihre Besonderheiten. Die Erfahrungen anderer im digitalen Dschungel mitzubekommen, ist die rettende Bereicherung und die beste Hilfe, um sich auf dem eigenenWeg zurecht zu finden. Gleichzeitig öffnen sie uns auch die Augen für Neues, das ausprobiert werden kann, für Dinge, die man sonst vielleicht gar nicht in Betracht gezogen hätte.

Mein Fazit: Meine Erfahrung bis jetzt hat mir gezeigt, dass man sich auch in der digitalen Zeit  besser einen Rat von einem Freund holt. Von Gleich- oder Andersgesinnten, denen man vertraut, deren Erfahrungsberichte besonders lebendig und echt sind. Aus der echten Story eines echten Menschen, von echten Begegnungen. Das kann kein Algorithmus ersetzen. Er kann uns aber helfen, unseren Weg zu finden.