Design Thinking: Spielend Probleme lösen

Stefan Wacker 2018 Lizenz: Alle Rechte vorbehalten all

Viele bunte Post-Its, Bastelmaterial und die obligatorischen Lego-Steine auf einem Tisch verstreut … und schon ist es Design Thinking – die „Kreativitätstechnik“ schlechthin! Reichlich kindisch, wie manche finden. Denn warum sollte uns ein bisschen farbiges Drumherum plötzlich kreativ werden lassen?

Freiheit für das innere Kind

Für kleine Kinder ist alles neu. Sie interessiert nicht, was andere denken, sondern wie sie etwas tun. Was möglich ist und was man besser lassen sollte. Als Kind haben wir so lange „Warum“ gefragt, bis wir es wussten. Im Grunde haben wir also bereits in frühester Kindheit etwas beherrscht, was wir inzwischen wieder verlernt haben und uns heute mit Methoden wie den „5 Whys“ erneut aneignen.

Spielen ist eine ernstzunehmende Sache

Der Research im Design Thinking bedeutet „Erforschen“. Dazu braucht es kindliche Neugier und Einfühlungsvermögen. Ohne Vorurteile und vorgefasste Meinungen. Ohne einzuordnen, zu interpretieren oder zu bewerten. Wir lernen wie ein Kind durch Fragen, Beobachten und Ausprobieren: „Love the problem, not the solution!“ Natürlich ist unumstritten, dass wir am Ende Lösungen brauchen. Fokussieren wir uns aber nur auf das Ergebnis, dann übersehen wir leicht das, was uns neue Impulse geben und uns am Ende zu Innovationen führen könnte.

„Kill your darling“

In der volatilen, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen (VUCA) Welt, in der wir inzwischen leben, wird die Planbarkeit von Ergebnissen immer schwieriger. Wollen wir in Zukunft erfolgreich sein, sind wir also gezwungen, uns wie Kinder flexibel den sich ändernden Gegebenheiten anzupassen und uns auf das Unbekannte einzulassen. Scheinbar absichtslos wie im Spiel. Um uns dann nach divergierenden Phasen wieder zu fokussieren. Einzelne Ideen herauszugreifen, weiterzuverfolgen oder auch zu verwerfen. Je spielerischer wir dabei sein können, desto weniger werden wir – aus Gründen wie Prestige, Eitelkeit und Hierarchiedenken – krampfhaft an unseren Ideen festhalten, obwohl längst alles gegen sie spricht.

Experimentieren macht uns erfolgreich

Die „Marshmallow Challenge“, bei der Kinder die Aufgabe deutlich besser lösen als Manager, verdeutlicht uns, was wir verlernt haben: nicht lang diskutieren, sondern handeln und Erfahrungen sammeln. Innovationen brauchen Mut und nur durch die Konfrontation mit der Realität sehen wir, was wirklich funktioniert. Das ist wie mit dem Fahrradfahren: Wir probieren, schlingern, machen es anders, schlingern wieder, um dann am Ende unsere erste Runde gedreht zu haben. Nichts anderes ist Prototyping – ein Herausfinden, was funktioniert und was nicht, ein ständiges Hinterfragen und Hinzulernen. Was soll also so schlecht sein an diesem Vorgehen, nur weil es uns inzwischen ungewohnt erscheint?

Führung: Was macht gute Eltern aus?

Wenn wir beim Erforschen und Experimentieren bleiben, dann sind vermutlich diejenigen Eltern für ihre Kinder am zuträglichsten, die sie ermutigen, ihre eigenen Erfahrungen zu machen, die sie selbstständig entscheiden lassen und die ihnen vertrauen, dass sie mit diesen Erfahrungen verantwortungsvoll umgehen, daraus lernen und dass am Ende „etwas Vernünftiges“ dabei herauskommt. Die sie bestärken bei ihren Misserfolgen, weil sie wissen, dass Scheitern zum Weg dazugehört. Und die steuernd, führend und auch reglementierend eingreifen, wenn es notwendig wird.

Aus dieser Sicht ist das Elternsein – genauso wie das Kindsein – gar nicht mehr so weit vom Führen und Arbeiten in den Zeiten agiler Unternehmen entfernt.