Darf’s ein bisschen Innovation sein?

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Der Innovationsdruck ist in den vergangenen Jahren extrem gewachsen. Immer schnellere Entwicklungszyklen und mehr Konkurrenzdruck prägen die Wirtschaft von heute. Jede*r will innovativ sein, aber nicht alle verstehen, was genau sich eigentlich hinter dem Schlagwort verbirgt und wie der Weg dahin aussehen könnte. Eine kleine Prise Innovation gefällig?

Katalysatoren für Inspirations- und Ideenentwicklung

Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft, aber natürlich auch die Wirtschaft rasant. Innovationen erfolgreich auf den Weg zu bringen, ist in diesem Zusammenhang alles andere als einfach. Oft braucht es mehrere Versuche, von denen nur ein Bruchteil zum erwünschten Effekt führt. Nur 6 % der Führungskräfte sind mit ihren Leistungen im Bereich Innovationen zufrieden (Colin Lough, 2016). 

Doch das eine Erfolgsrezept für Innovationsentwicklung gibt es nicht. Vielmehr muss man sich der Herausforderung stellen, in jeder Situation neu und kreativ zu denken. Als der US-Videoverleih „Blockbuster“ den Wandel von VHS zu DVD überlebte, wiegte das Unternehmen sich sicher, den großen Umbruch erfolgreich überstanden zu haben. Kurze Zeit später versäumte das Unternehmen allerdings den Anschluss an den Streaming-Trend. Die letzte Filiale schloss 2013 (Baskin, 2013). Innovation ist demnach ein Prozess, der nie gänzlich abgeschlossen ist.  

Wie nähert man sich aber diesem Prozess? Es gibt viele Wege, die nach Rom führen und genau dafür werden hier einige Tools vorgestellt, die den Schritt in Richtung Innovation erleichtern können.

Design Thinking als Mindset

Wie komme ich vom Problem zum Prototypen? Design Thinking ist eine Methode, die Kund*innen und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt (Hobcraft, 2018). Design Thinker treten dabei in direkten Kontakt mit ihnen und nehmen ihre Verhaltensweisen genau unter die Lupe (Stickdorn et al. 2013). Grob kann man die Kreativmethode in die Schritte „Verstehen“, „Beobachten“, „Sichtweise definieren“, „Ideen finden“, „Prototypen entwickeln“ und „Testen“ einteilen (2013, Klotz). Erste Ideen und Ergebnisse während des Ablaufs werden so früh wie möglich und kontinuierlich in Tests mit potenziellen Nutzer*innen rücküberprüft. Durch den laufenden Lernprozess ist die Prozessschrittfolge nicht immer gleich – je nach Verlauf werden verschiedene Iterationsschleifen durchlaufen (HPI School of Design Thinking, 2018). 

Value Co Creation – Warum zu viele Köche nicht den Brei verderben

Man stelle sich eine gut laufende Großküche eines Restaurants vor. Jeder weiß genau, was seine Aufgaben sind: Der Chefkoch hat den Überblick, die Sous Chefin stellt das Bindeglied zwischen dem Küchenchef und dem restlichen Team dar, der Chef Tournat ist flexibel einsetzbar und springt dort ein, wo er gerade benötigt wird. Wenn es mehr Köch*innen als Posten in der Küche gibt, fängt die Brigade an zu stolpern.

Dagegen gilt in kreativen Innovationsprojekten tendenziell: Je mehr Köch*innen desto besser das Ergebnis. Etablierte Unternehmen laufen oft Gefahr, in ihren eingefahrenen Strukturen zu verharren und ihre „Business as usual“-Strategie zu verfolgen. Um eine nachhaltige Innovationskultur zu etablieren, braucht es dagegen eine Öffnung der Prozesse und Interaktion nach innen und nach außen. 

Beim Ansatz von „Value Co Creation“ tragen verschiedene Interessengruppen zum Innovationsprozess bei. Die Konsument*innen treten dabei in eine kreative Zusammenarbeit mit dem Unternehmen und können dabei ihre Bedürfnisse und individuellen Erwartungen kommunizieren (Huff et al., 2013).

Living Labs – Open Innovation at its best

Eine Möglichkeit, den Open Innovation Ansatz in einem festgelegten Umfeld anzuwenden, sind sogenannte Living Labs. So bezeichnet man Innovationsnetzwerke, in denen sich alle Teilnehmer*innen gleichwertig und auf Augenhöhe begegnen.

Der besondere Reiz, gerade Living Labs als Open Innovation-Plattform zu nutzen, liegt in dem persönlichen Kontakt zwischen Entwickler*innen auf Unternehmensseite und den Endkund*innen, die dadurch selbst zu Mitentwickler*innen werden. So findet sich an einem Ort alles, was es für eine nachhaltige Innovation braucht – vom kritischen Endnutzer *innen über hilfreiche Networking-Events bis hin zu einer forschungsbasierten Betreuung durch Expert*innen im Bereich Co-Creation (Leminen et al., 2012).

Mögliche Hürden im Innovationsprozess: Der „Not Invented Here“-Effekt

Kommen Ideen von außerhalb der Organisation, so tritt oft der „Not Invented Here“-Effekt ein. Damit bezeichnet man die Situation, in der eine Idee nicht weiterverfolgt wird, weil sie nicht aus der eigenen Organisation heraus entstanden ist, sondern von außen herangetragen oder entwickelt wurde (Bessant, 2018). Viele Firmen verpassen dadurch allerdings den Anschluss an neuartige Trends und schöpfen ihre Innovationsfähigkeit nicht voll aus. 

Überwinden kann man diesen Effekt, indem man den verschiedenen Gruppen des Innovationsprozesses ein übergeordnetes Ziel vermittelt. Wenn die Herausforderung groß genug ist, begreift man sich selbst nicht mehr als Konkurrent*innen, die um die beste Idee wetteifern, sondern als Team, das ein gemeinsames Ziel verfolgt.

Fazit

Wenn es darum geht, die richtige innovative Strategie zu finden, gibt es nicht die eine richtige Kreativmethode, mit der man sich für die Komplexität und Vielfalt der Zukunft wappnen kann. Es gibt viele verschiedene Wege zu neuen Ideen – und gerade das macht es so spannend. Man muss sich nur trauen, von seinen bewährten Rezepten loszulassen, neuen Zutaten gegenüber offenzubleiben und seine Palette kreativ einzusetzen. Dann stehen die Chancen gut, dass man am Ende ein einfallsreiches Menü an innovativen Lösungen gezaubert bekommt. 

Quellen

Online                                                  

Baskin, Jonathan Salem (2013): The Internet Didn’t Kill Blockbuster, The Company Did It To Itself

Bessant, John (2018): How the ‘Not Invented Here’ Syndrome Impacts Innovation Success

Hobcraft, Paul (2018): An Introduction to Design Thinking                       

Klotz, Maik (2013): Design Thinking – Mit Methode zur Innovation

Leminen S., Westerlund M., Nyström A., (2012): Living Labs as Open-Innovation Networks

Lough, Colin (2016): Executing on Innovation – The Required Key Ingredients

Nieminen, Jesse (2019): The 7 Fundamentals for Succeeding in Innovation

Print

Bessant, John; Tidd, Joe (2011): Innovation and Entrepreneurship 

Chesbrough, Henry (2006): Open Innovation: Researching a New Paradigm

Chesbrough, Henry (2003): Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology

Huff, Anne; Möslein, Kathrin; Reichwald, Ralf; et al. (2013): Leading Open Innovation 

Stickdorn, Marc; Schneider, Jakob; et al. (2013): This is Service Design Thinking. Basics – Tools – Cases