Bilderliebe zu Bamberg

Ein Interview mit der Instagrammerin Traudl Maex aus Bamberg

Instagram steht oft für Lifestyle, Mode und Essen. Daneben machen sich auch Städte- und Reisetipps immer gut. Junge, hippe Digital Natives haben das Portal fest im Griff. Menschen ab 50, die sogenannte Silver Generation, trifft man hingegen eher selten. Zeit für Traudl Maex, das zu ändern.

Traudl Maex will so gar nicht in das Bild des typischen Instagram-Chicks passen. Selfies sieht man genau eines und das zu ihrem 70. Geburtstag. Richtig gelesen, 70. Grund genug, einmal bei ihr vorbei zu schauen und zu fragen, wer denn hinter diesem Account steckt.

Vorab kurz ein Datencheck (Stand 13. März 2019):

Insta-Konto: @trama.ba
Aktiv seit: 03/2017
Follower: 2.420
Beiträge: 1.470
Haupt-Bildthema: Bamberg

Eingeladen hat mich Traudl in ihr Haus, gar nicht weit von der Bamberger Altstadt. An der Tür empfängt mich eine gut gelaunte, dynamische Dame mit weißem Haar, deren sympathische Ausstrahlung gleich überschwappt. Mit so jemandem lässt es sich plauschen. 

Das „Du“ hätte ich mir vermutlich beim Kennenlernen auf der Straße oder bei sonstigen Events verkniffen, aber da wir uns bereits über Instagram ausgetauscht haben, wo es üblich ist, bleibt es dabei. Sehr offen stellt sich Traudl Maex meinen Fragen und wir tauschen uns nicht nur über die Technik, sondern vor allen Dingen über das Zwischenmenschliche in den digitalen Medien aus. 

Ich habe mir Traudls Account angesehen und festgestellt, dass sie erst seit zwei Jahren auf Instagram aktiv ist. Der erste Post mit gleich 18 Likes ist vom 1.3.2017, ihr bis heute erfolgreichster Beitrag hat 650 Likes eingefahren und sie hat über 2.400 Follower. Aber wie ist sie eigentlich Instagrammerin geworden? Dazu gibt die Suche im Netz nicht sehr viel her. Also frage ich nach.

Es begann mit Facebook

Von der ersten Sekunde an bin ich überrascht und werde immer neugieriger, denn Instagram kommt zunächst gar nicht vor. Volksschullehrerin sei sie gewesen und sie habe bis zur Pension auch gar nicht so viel fotografiert, nur mit einer einfachen Digitalkamera die Großfamilie und Urlaube festgehalten. Das war aber noch immer kein Einstieg in die digitale Welt der Social Media.

Traudls Schwester, eine Hobbymalerin, habe ab und zu ihre Bilder über Facebook geteilt. Um am Ball zu bleiben, was die Schwester so treibt, habe sie sich selbst einen Account bei Facebook eingerichtet und begonnen, dort Fotos zu teilen. Ihr Sohn habe sie dann auch bald bei einer Bamberger Facebook-Gruppe angemeldet. Traudls Neugier war entfacht. Sie begann, sich weitere Facebook-Gruppe zu suchen und schaute sich um, was auf der Plattform so passiert. Eine Scheu vor der Technik ist bei Traudl nicht zu spüren. „Man ist dann irgendwann drin und weiß eigentlich gar nicht wie das alles funktioniert. Aber es funktioniert“, erklärt sie mit einem gewinnenden Lachen.

Eine Anekdote erzählte sie zu ihren Anfängen in Facebook. Sie fand eine ihrer Schülerinnen auf Facebook wieder und befreundete sich mit ihr. Zunächst freute sie sich und wollte schauen, was die Schülerin heute so macht. Bald kamen ihr aber immer mehr Zweifel. Zu sehr bezog diese ehemalige Schülerin fremdenfeindliche Positionen. Traudl war dann über einen Kommentar so entsetzt, dass sie in die Timeline der Schülerin schrieb, was für eine wunderbare Schülerin sie gewesen sei und dass sie sich gar nicht ausmalen könne, warum sie so hasserfüllte Posts schreibe. In Windeseile war der Beitrag gelöscht und die Freundschaft seitens der Schülerin gelöst. Von da an konnte Traudl keine weiteren Mitteilungen der Schülerin lesen, worüber sie nicht wirklich traurig war. Es zeigte ihr die Macht der Medien auf und sie nimmt bis heute nur Freundschaftsanfragen von Menschen an, die sie bereits persönlich kennt.

Instagram für Bilder

Die Bilder in Facebook bekamen zwar Aufmerksamkeit, aber Traudls Schwiegertochter hatte den ultimativen Tipp für die Verbreitung von Fotos. „Ich empfehle dir für deine Bilder Instagram“, so ihre Aussage und von da an benutzte Traudl zwei Kanäle. Facebook nutzt sie heute noch, aber weit weniger als Instagram. 

Instagram empfindet Traudl als wesentlich friedfertiger als Facebook. Aber auch hier gibt es immer wieder private Nachrichten, die sie nicht gerne beantwortet. Um die abzuwehren, habe sie extra ihr Alter und „verheiratet“ in den Account geschrieben.

Täglich sitzt sie jeweils morgens und abends ca. 1,5 Stunden an ihrem Account, liket und kommentiert Bilder von abonnierten Kanälen, postet neue Bilder und antwortet auf Kommentare und private Nachrichten. „Das Familienleben kann darunter leiden“, sagt sie. Nach zwei Jahren hat ihr Mann sich aber daran gewöhnt, dass sie mit ihrem Smartphone auf der Couch sitzt, während er fernsieht. Gleich daneben liegen drei Langenscheidt Lexika – Französisch, Italienisch und Englisch. „Manchmal muss ich nachsehen, wenn ich kommentiere“, erklärt mir Traudl. Ja, sie antwortet gerne in der jeweiligen Sprache.

Erstaunt ist sie über die Veröffentlichungen auf so manchem Kanal. Da wird aus dem Urlaub live gepostet und von Events, zu denen man eingeladen wird. Das komme für sie nicht in Frage. Gerne wischt sie sich durch die neuen Bilder ihrer Kontakte und freut sich über besonders gelungene Bilder und freundliche Kommentare von Followern.

Warum Traudl so viel Zeit in Instagram verwendet ist interessant. Sie möchte bessere Fotos machen. Es ist für sie Mittel zum Zweck. Über „Learning by doing“ erhält sie auch mal wertvolle Tipps von Profis und Halbprofis, zieht Erfahrungen aus den Bildern der Kolleg*innen und entwickelt neue Perspektiven für zukünftige Fotosessions.

Auf die Frage, was ihr fehlen würde, wenn sie Instagram nicht mehr hätte, antwortet sie sofort: „Der Kontakt zu anderen Fotografen.“

Community im „echten Leben“

Neben dem Austausch im Netz hat Traudl in der Zwischenzeit auch schon einige Menschen im echten Leben kennengelernt. Da ist zum Beispiel ein Italiener, der sich zunächst über Instagram als Follower für ihre Bilder erwärmt und viele Likes und Kommentare hinterlassen hat – und dessen Fotos auch sie angesprochen haben. Als eine Reise nach Bamberg anstand, empfahl Traudl ihm ein Hotel und nahm sich mit ihrem Mann Zeit für gemeinsame Unternehmungen. Aus dem Besuch wurde ein Austausch mit seiner gesamten Familie und schlussendlich eine Freundschaft. Ein Gegenbesuch in Italien ist bereits geplant.

Aber auch der Austausch mit Kolleg*innen, also Fotograf*innen, ist Traudl wichtig. Bei den Forchheim Shots stellte sie zum Beispiel mit aus, weil eine Instagram-Kollegin sie darauf angesprochen hatte. Dabei konnte sie dann auch einige Instagrammer, die sie sonst nur digital kennt, live erleben.

Einmal wollte eine Bamberger Druckerei ihre Bilder für einen Kalender verwenden. Die Druckerei hatte damit geworben, dass diejenigen, die ein Bild zur Verfügung stellen, einen kostenfreien Kalender erhalten. Die Druckerei verwendete letztlich sogar vier von Traudls Bildern – aber als sie nach einem zweiten Kalender fragte, musste sie trotzdem darum kämpfen. Auch so kann's gehen. 

Und zukünftig?

Als ich frage, was sie noch so vorhat, antwortet sie: „Ich mache so weiter, wie gehabt.“ Locker flockig kommen die Begriffe aus dem Instagram-Umfeld über ihre Lippen: Follower, markieren, Likes, Hashtag, Reichweite. Was für sie zählt ist dabei einfach: Bilder zur Freude aller ins Netz stellen. Ihren Kanal betreibt sie völlig frei von Allüren und Ehrgeiz. 

Einen Wunsch hat Traudl noch an die Community. Sie hätte gerne eine Gruppe, in der man zu seinen Fotos auch mal Verbesserungsvorschläge von anderen erhält. Ich denke, da hat der ein oder andere sicher einen Tipp für sie.