Nürnberg trotz(t) Corona: „Da entsteht unglaublich viel“

Folge 1: LUX – Junge Kirche Nürnberg

LUX Jubiläum
Beim LUX Jubiläumsfest waren feiernde Menschenmassen noch kein Problem.
© LUX – Junge Kirche Nürnberg

08.04.2020, Lisa Schürmann

Kirche mal anders – dafür ist die Junge Kirche LUX mit Café-Bereich und Aktionsbühnen weit über Stadtgrenzen hinaus bekannt. Im Nordosten Nürnbergs gestalten Leute zwischen 15 und 27 Jahren seit 2009 ihren Traum von Kirche. In der Corona-Krise hat das junge LUX-Team ein beeindruckendes digitales Mitmach-Angebot auf die Beine gestellt, denn: ‚Liebe deinen Nächsten‘ bedeutet in diesen Tagen, dem Nächsten nicht zu nahe zu kommen. Die 29-jährige Religionspädagogin Anna Rohlederer ist seit 2016 Jugendreferentin der LUX.

Anna Rohlederer ist seit 2016 Jugendreferentin der LUX.
© LUX – Junge Kirche Nürnberg

Wie kann ich in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen am LUX-Gemeindeleben teilhaben? Welche Online-Angebote habt ihr euch überlegt?
Bei uns gibt es drei Schwerpunkte: Gottesdienste, Kultur und Community. Das gilt jetzt auch online. Jeden Mittwoch, Freitag und Sonntag gibt es um 18:00 Uhr einen „Message to go“-Livestream auf Insta und YouTube. Darin teilt ein ehrenamtlicher oder hauptamtlicher „LUX“ einen kurzen Impuls. Unter „Kultur to go“ teilen wir eigene Videos und geben Tipps. Unsere LUX-Community trifft sich täglich um 11:00 Uhr zum virtuellen Kaffeetrinken, dem „Community Coffee“. Unsere Kategorie „Corona komma kla“ gibt Tipps zur aktuellen Situation, zur Gestaltung des Alltags und soll einfach Spaß machen. 

Wie kommuniziert ihr intern?
Unsere Teams treffen sich online und wir planen gemeinsam digitale Angebote für jetzt, denken aber auch schon an die Zeit nach der Ausgangsbeschränkung – man hat auf jeden Fall das Gefühl, da geht was weiter!
 

Habt ihr zuvor Erfahrungen mit Online-Formaten gesammelt? Oder war das ein „Sprung ins kalte Wasser“?
Klar haben wir die Social-Media-Kanäle vorher schon genutzt, aber eher für Werbung und als Image-Plattform. Inhaltlich was hochzuladen ist Neuland, braucht viel mehr Mut, macht aber viel Spaß! Das Konzept dazu haben wir in sehr kurzer Zeit entwickelt. Es ist noch nicht fertig, läuft aber bereits an. 

Konntet ihr mit euren Zielgruppen und Partner*innen im Kontakt bleiben? 
Das kann ich noch nicht wirklich einschätzen. Meinem Gefühl nach funktioniert das problemlos, da wir mit unseren Kooperationspartnern meist sowieso über E-Mail und Telefon Kontakt halten. Die Technik läuft gut dank fitter Leute wie unserem Multimedia-Coach. Die Umsetzung ist einfach gehalten, weil wir wollen, dass möglichst viele von zu Hause aus mitmachen. 
 

LUX ist weiterhin für dich da
Weiterhin für dich da – nur jetzt online!
© LUX – Junge Kirche Nürnberg

Habt ihr digital neue Menschen erreichen können?

Unsere Insta-Follower ändern sich ein bisschen. Vorher hatten wir viele „Party-People“ über unsere Mittelstufen-Partys, jetzt kommen gefühlt mehr Menschen, die an Inhalten interessiert sind. 

Wie werden die Angebote bisher angenommen?
Solide. Über die unterschiedlichen Kanäle erreichen wir einige, die so wahrscheinlich nicht vorbeigekommen wären. Die Community macht auf jeden Fall top mit und die Kaffee-Gemeinschaft ist mittlerweile ein fester Punkt im Tagesablauf.
 

LUX to go
© LUX – Junge Kirche Nürnberg

In wenigen Tagen feiern Christ*innen in aller Welt Ostern. Wie gelingt das in Zeiten von Corona?
Ostern darf auf keinen Fall ausfallen. Es muss trotz Corona – oder gerade deswegen – gefeiert werden! Die technische Umsetzung tüfteln wir noch aus. Klar ist, dass wir Gründonnerstag zu Abend essen und gemeinsam an das Letzte Abendmahl erinnern. Am Karfreitag gibt es Impulse zur Sterbestunde und zum Kreuzweg. Da kommen auch aktuelle Fragen auf: Wo ist Gott in dieser Zeit? Am Ostersonntag feiern wir um 6:00 Uhr früh einen Gottesdienst mit jeder Menge Hoffnung, Auferstehung, neuem Leben und frühstücken danach zusammen. Alles digital – versteht sich!

Ein allererstes Fazit: Welche positive Erfahrung nehmt ihr in Nach-Corona-Zeiten mit?
Es macht allen Spaß, miteinander kreativ zu sein und nach digitalen Alternativen zu suchen. Da entsteht unglaublich viel. Ich persönlich mag die Ergebnisse. Es ist gut möglich, dass wir nach der Corona-Zeit ab und zu Online-Messages, Podcasts oder ein Kultur-Programm anbieten. So erreichen wir auch Menschen, die physisch nicht dabei sein können. Doch echte Treffen sind einfach schöner und darauf freuen wir uns schon riesig!

Die LUX online:

Über die Blogserie

Die Corona-Pandemie fordert uns weltweit heraus. Wer kann, bleibt in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen zu Hause. Währenddessen bangen kleine Firmen, Künstler*innen und Selbstständige um ihre Existenzen. Gemeinnützige Organisationen müssen auf den direkten Kontakt zu Mitmenschen verzichten. Mit Engagement, Kreativität und Mut stürzen sich nun viele ins Digitale. Diese Blog-Reihe stellt Menschen aus Nürnberg und der Metropolregion vor. Sie alle trotzen Corona und kämpfen für ihre Träume.

Lisa Schürmann

Nordlicht in Franken. Liebt Blogging, Kommunikation, Meer, Web, … Menschen! Interesse: Wie verändert Digitalisierung unsere Gesellschaft?

Weitere Beiträge aus der Serie "Nürnberg trotz(t) Corona"

Auftritt der Kapelle Rohrfrei

Während sich Künstler*innen weltweit nur per Video-Stream präsentieren, ist Fürth die erste Stadt Deutschlands, in der Live-Kultur wieder erlebbar wird. Zu verdanken ist das der Aktion „Kultur vor dem Fenster“.

Windelhäusla

Alexandra Pecic trotzt der miesen Corona-Stimmung. Leidenschaftlich kämpft sie seit Monaten für ihr Familien-Fachgeschäft "Windelhäusla". Dabei setzt die 38-Jährige frühere Projektmanagerin auch auf digitale Ideen.