Games& Festival 2020

Games & Festival
© 2020 Uwe Niklas / Haus des Spiels

06.10.2020, Elwira Karlin

Ein Kodu, ein Cosplay und ein Theaterstück – was haben sie gemeinsam? Auf dem Games& Festival von 10. bis 18. Oktober 2020 in Nürnberg könnt ihr es erfahren. Lasst euch in die wunderbare Welt des Spiels einführen!

© 2020 Elwira Karlin / Nürnberg Digital Festival

Das Medienzentrum Parabol und das Haus des Spiels lassen zum ersten Mal die Metropolregion virtuell und analog miteinander spielen. Warum das Spielen so wichtig ist und was hinter den Kulissen des Festivals passiert, verraten uns Sebastian und Veit im Interview.

Sebastian Pfaller (links) ist seit Anfang 2019 als Kultur- und Medienwissenschaftler beim Projekt "Haus des Spiels" dabei.

Veit Hartung (rechts) arbeitet als Sozial- und Medienpädagoge bei Parabol. Zudem ist er im Projekt "Game Life" mit der Organisation und Durchführung von medienpädagogischen Veranstaltungen im Gaming-Bereich beschäftigt.

Wie, wann und warum seid ihr auf die Idee gekommen, Games& Festival zu veranstalten?  

Sebastian: Konkret wurde es Anfang 2020. Wir haben beschlossen, dass wir es jetzt machen. Ich glaube, man sieht es ganz gut: Das Spiel hier in Nürnberg und der Region ist sowohl ein Wirtschaftszweig als auch eine Freizeitaktivität und ehrenamtliche Beschäftigung von vielen Leuten. Es hat sich so angefühlt, als könnten wir da jetzt ein Netzwerk, eine Festivalveranstaltung daraus machen. Ursprünglich war zum Beispiel Teil unseres Konzepts, dass wir mit den Verlagen von Brett- und Kartenspielen zusammenarbeiten und in ganz vielen Kneipen in Nürnberg einfach so ein Set von verschiedenen Spielen platzieren, aber das macht dieses Jahr wenig Sinn. 

Veit: Aber wir haben es im Hinterkopf und wir packen dann, sobald es wieder geht  – vielleicht nächstes Jahr – die Konzepte wieder aus.

Was sind die Hintergrundinfos zum Festival, die man wissen sollte?
 
Sebastian: Generell, was ganz interessant ist und was so die Verknüpfung ziehen will, ist, wie wir das Festival aufstellen. Es funktioniert ein bisschen so wie das Nürnberg Digital Festival funktioniert hat letztes Jahr oder auch jetzt funktioniert.
 
Veit: Genau. Angebote sammeln, die es sowieso schon gibt, um gemeinsam zu zeigen, was es da eigentlich in der Region gibt. Da gibt es nämlich jede Menge, sowohl im analogen als auch im digitalen Spiel. Und deshalb hatten wir uns bewusst entschieden, das nicht ans Digital Festival zu bündeln, weil wir eben dem analogen Spiel genauso viel Raum geben wollen wie dem digitalen Spiel.

Auf der Webseite vom Festival habe ich das Schulprogramm entdeckt, könnt ihr mir mehr davon erzählen?

Veit: Wir haben uns vom Medienzentrum Parabol aus drei Workshops überlegt, die wir durchführen würden mit Schulklassen. Da haben wir relativ schnell Rückmeldungen bekommen. Wir haben jetzt den Montag und den Dienstag sowie den Mittwoch und den Donnerstag als zweitägige Workshops gebucht. Kurz zu den Inhalten:

  • Also dieser Zwei Tages Workshop, der zweimal gebucht ist, das ist ein Workshop der mit dem Programm “Kodu” läuft. Kodu ist eine Entwicklungsumgebung von Microsoft. Im Prinzip sieht sie aus wie ein Spiel, man entwirft so kleine Spielfiguren und programmiert diesen Spielfiguren direkte Befehle. Es ist recht einfach und eignet sich deswegen auch schon für Jüngere, um die ersten Erfahrungen mit dem Programmieren zu sammeln.
  • Und dann haben wir einen Workshop zu „Logikketten verstehen mit Scratch“. Scratch ist eine Programmierumgebung, welche im Browser funktioniert. Im Prinzip geht es in dem Workshop nur darum Programmierlogiken zu verstehen, d.h. wie funktionieren “wenn..., dann…”-Beziehungen? Was ist eine Wiederholungsschleife? Das muss man alles einmal kennen lernen und verstehen und dann kann man das auch in jeder Programmiersprache anwenden.
  • Und dann haben wir noch einen dritten Workshop: "Gute Spiele-Reviews selber schreiben." Es geht darum, sich mit der Sprache auseinander zu setzen, aber auch mit den Inhalten, die zu einem Review dazu gehören. Ein Review kann man natürlich sowohl für digitale wie auch für analoge Spiele schreiben.

Gibt es da eine Altersbeschränkung?

Veit: Die Altersgrenze haben wir jetzt auf zehn Jahre für Kodu-Workshop und auf zwölf Jahre für andere Workshops gesetzt. Hat hauptsächlich nicht den Hintergrund, dass es zu kompliziert wäre das Spiel zu verstehen, sondern dass natürlich die Konzentration gegeben sein muss, den Workshop durchzuhalten und sich nicht gegenseitig abzulenken. Also das Programm ist kostenlos runterzuladen, das kann sich auch jeder selber installieren. Es läuft auf allen Microsoft Geräten.

© 2020 Nia Kolmstetter / Haus des Spiels

Wie und wer kann man bei dem Festival mitmachen und was kostet der Eintritt?

Veit: Die Veranstaltungen und Workshops sind kostenlos und der Cosplay Fotoworkshop ist auf Spendenbasis. Es ist offen für alle. Wir bemühen uns auch darum, dass die Spieleabende so gestaltet werden, dass alle teilnehmen können, ohne bestimmte Vorkenntnisse.

Sebastian: Zentral soll der Discord Server von Haus des Spiels werden, dass man sich da trifft. Und darüber werden dann die ganzen Veranstaltungsankündigen auch erfolgen.
 

Veit: Geplant sind auch Tutorials für Discord und für Twitch, weil es die beiden Hauptkanäle
sind, über die die Kommunikation und Veranstaltungen laufen. Dadurch kann dann ein Einblick gewonnen werden wie die Programme funktionieren. Die Tutorials findet man dann auf unserer Webseite oder unserem Youtube Kanal. Auf der Webseite gibt es auch einen Menüpunkt “Wie mitmachen” und da stehen dann als Unterpunkte: Tutorials, Ressourcen und Anmelden.

Was sind die Highlights des Festivals?

Sebastian: Am Dienstag, den 13.10. abends, auf Twitch haben wir einen großen Talk, aus ganz, ganz vielen kleinen Talks, wo verschiedene Leute ihre Veranstaltungen vorstellen. Das ist eine gute Gelegenheit, um sich zu informieren, was man im Eventbereich mit Spielen alles machen kann. Es gibt unglaublich viele kleine und große Events, von der Spielwarenmesse bis zur PLAY in Hamburg. Da kann man sich die Leute, die es organisieren anschauen und mal hören, wie die so an das Thema rangehen und wie sie Spiel und Event verknüpfen. Das ist auch überregional interessant.

Veit: Am Donnerstag sind die „Showmasters“ in der Luise. Sie haben eine Verknüpfung aus Let’s Play und Late Night Show gemacht. Eine Liveband wird live vertonen, was gespielt wird. Gleichzeitig spielt der Spielleiter vorher ausgewählte Szenen möglichst mit Publikumsbeteiligung. Hier im Haus des Spiels haben wir noch einen Theaterworkshop, der dann die Woche überläuft und dann am Wochenende aufgeführt wird.

Sebastian: Die Idee ist es, das Stück wie ein Point & Click Adventure so ein bisschen aufzuziehen. Also als Gegen-Theater, bei dem die Leute, die zuschauen Anweisungen geben und Entscheidungen treffen können und die Leute im Saal das live spielen. 

Veit: Wie genau da die Entscheidungsmöglichkeiten aussehen, das wird alles im Laufe der Woche von der Gruppe direkt entschieden. Am Sonntag gibt es dann eben vier Aufführungen von dem Theater. D.h. es wird vier Mal aufgerührt auf Twitch und vier Mal kann das Publikum mitentscheiden und dadurch die Geschichte dementsprechend unterschiedlich ausspielen lassen.

Sebastian: Zu erwähnen ist auch noch das Künstlerhaus. Das KunstKulturQuartier wird eine Ausstellung bekommen, die sich damit beschäftigt, was Leute so in Games oder zum Spielumfeld alles an kreativen Dingen machen. Also z. B. Cosplays selber schneidern oder für ein bestimmtes TableTop-System selber Dungeons bauen oder sich eine mittelalterliche Waffe nachbauen für ein Live-Rollenspiel. Also das thematisieren, dass Leute ins Spiel so wahnsinnig viel Energie und Herzblut und Zeit reinstecken. Eröffnet wird die Ausstellung am Donnerstag in der Festivalzeit und läuft dann einen Monat lang.

Das Medienzentrum Parabol ist eine medienpädagogische Einrichtung, welche von dem gleichnamigen Trägerverein getragen wird. Der Verein wurde vor 35 Jahren gegründet, um Medienpädagogik in der Region anzutreiben. Dazu veranstaltet das Medienzentrum Projekte, Elternabende, Informations- und Fortbildungsveranstaltungen, Talks und anderes. Zudem produziert das Parabol zwei Jugendradio-Magazine und ein Fernsehmagazin "Polaris", das im Franken Fernsehen ausgestrahlt wird. Seit Neuestem wird neben dem Audio- und Videobereich auch der Gaming-Bereich ausgebaut. 

Das Projekt "Haus des Spiels"  hat sich aus dem  deutschen Spielearchiv entwickelt.  Das Archiv besteht aus ca. 34 Tausend Brettspielen, welche im großen Turm von Pellerhaus (Egidienplatz 23) zu finden sind. Im Jahr 2017 kam die Idee, dass das Spielen in Nürnberg mehr ist als nur eine Sammlung von Brettspielen. So wurde Ende 2018 bis Mitte 2019 eine Veranstaltungsreihe mit "Testspielen" durchgeführt, um zu schauen, welche Player in der Metropolregion zu finden sind. Insgesamt war es ein großer Erfolg mit ca. 150 Veranstaltungen und 23 Tausend Besucher*innen. Der Bedarf an einem "Haus des Spiels" ist somit nicht zu übersehen. Die Idee des Projekts ist ein echtes Haus des Spiels bis zum Jahr 2025 in der ehemaligen Stadtbibliothek aufzubauen. Das Haus soll feste Öffnungszeiten, einen öffentlichen Spielsaal, verschiedene weiterev Veranstaltungsräume, ein Coworking-Bereich mit Ausstattung wie 3D-Drucker, Plotter etc. sowie eine Ausleihstation für Brettspiele und Konsolen haben. Hier sollen sich alle Bereiche des Spielens treffen. Um einen kleinen Vorgeschmack davon zu bekommen, veranstaltet das Haus des Spiels in Kooperation mit dem Medienzentrum Parabol das Games& Festival 2020.

Elwira Karlin

Ich bin Masterstudentin in Soziologie an der FAU Erlangen-Nürnberg. Ich kann Daten sammeln, analysieren und auswerten. Ich will die Potenziale der Gesellschaft im digitalen Zeitalter entdecken, kreieren und inspirieren.